Expansion angestrebt
Finanzinvestoren schauen auf WMF

Der schwäbische Besteck- und Gastronomiebedarfs-Hersteller WMF sieht sich wachsendem Interesse von Finanzinvestoren gegenüber. „Wir bekommen von vielen Beteiligungsunternehmen Besuch und sprechen mit diesen Unternehmen wie mit allen interessierten Investoren“, sagte Vorstandschef Thorsten Klapproth bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart. Alles andere sei aber Sache der Anteilseigner.

mwb STUTTGART. Das Traditionsunternehmen taucht immer wieder auf den Einkaufszetteln von Finanzinvestoren auf. Grund dafür ist, dass der ehemalige Hauptaktionär Wolfgang Schuppli Verkaufsabsichten geäußert hatte. Und auch Deutsche Bank, die über ihre Beteiligungstochter Liba 17,56 Prozent der Aktien hält, will sich grundsätzlich von ihren Industriebeteiligungen trennen. Einen solchen Beschluss gibt es zwar beim Großaktionär Münchener Rück nicht, aber auch der weltgrößte Versicherer hat sich inzwischen von großen Beteiligungen wie MAN getrennt und mit WMF, BHS Tabletop und Heidelberger Druck nur noch drei bedeutende Unternehmen mit über fünf Prozent im Portfolio.

WMF-Chef Klapproth geht allerdings davon aus, dass die Gesellschafterstruktur des Unternehmens stabil bleibt. „Wir haben keine Signale dafür, dass es bei den Großaktionären Veränderungen gibt“, sagte Finanzvorstand Bernd Flohr. Die Unternehmensführung will sich nicht beirren lassen und die geplante Expansion fortführen. Im Sommer werden die Schwaben erstmals für den privaten Bereich eine vollautomatische Kaffeemaschine mit professioneller Gastronomietechnik anbieten. Mit Preisen von 2 500 Euro will Klapproth das Gerät im obersten Preissegment positionieren und sich ein zehntel des Marktes erobern. Den stark wachsenden Markt bezifferte Klapproth auf 35 000 Maschinen mit einem Wert von 40 Mill. Euro. WMF tritt in diesem Segment gegen die Marktführer Saeco und Jura an. bislang stellte WMF nur Automaten für die Gastronomie her. Zu Beginn des Jahres hatte WMF die Beteiligung von 30 Prozent an dem Schweizer Kafeemaschinenhersteller Schaefer auf 100 Prozent aufgestockt. Zudem will WMF dem Sterben der Fachhändler l mit in diesem Jahr wieder zehn neuen eigenen Geschäften auf dann 180 Shops begegnen. Die bisherigen Haushaltsgeschäfte werden derzeit auf ein neues weltweites modernes Shopkonzept umgestellt.

Durch das gute Geschäft mit Kaffeemaschinen und die Expansion erwartet WMF nach einem Gewinnsprung 2005 für das laufende Jahr weitere Zuwächse. „Nach dem sehr zufriedenstellenden Start in das Jahr 2006 wollen wir bei Umsatz und Ergebnis in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen“, sagte Klapproth.

Im vergangenen Jahr legte WMF vor allem durch das Auslandsgeschäft um drei Prozent auf 578 Mill. Euro zu. Der Konzernüberschuss stieg vor allem durch geringere Personalkosten infolge von Gehaltskürzungen auf 8,5 Mill. Euro, von 3,2 Mill. Euro im Jahr 2004. Trotz der deutlich verbesserten Erträge verfehlte WMF jedoch sowohl im Konsumenten-Geschäft wie auch im Gastronomiebereich die Zielmarken für die Rendite. Für die kommenden Jahre äußerte sich WMF-Chef Klapproth aber zuversichtlich: „Bis 2008 wollen wir eine Rendite vor Steuern und Zinsen von fünf Prozent vom Umsatz erreichen.“

An die Aktionäre will der Traditionskonzern 70 Cent je Stamm- und Vorzugsaktie ausschütten, zehn Cent mehr Dividende als für das Geschäftsjahr 2004. An der Börse zogen die WMF-Stammaktien um 1,3 Prozent auf 18,85 Euro an, die Vorzüge legten um 3,5 Prozent auf 14,80 Euro zu.

Großaktionäre im Clinch

Beherrschung:

Zwischen Aktionär Wolfgang Schuppli (33,36 Prozent) und den anderen drei Großaktionären mit jeweils 17 Prozent der Anteile läuft seit längerem eine juristische Auseinandersetzung. Schuppli wirft der Münchener Rück vor, sich mit der Deutschen Bank und der Württembergische Lebensversicherung abgestimmt zu haben, um die WMF zu kontrollieren.

Streit vor Gericht:

Da die drei mindestens 30 Prozent der Stimmrechte halten, hätten sie laut Wertpapier-Übernahmegesetz den übrigen Anteilseignern ein Pflichtangebot unterbreiten müssen, sagt Schuppli. Vor dem Oberlandesgericht München erhielt er in zweiter Instanz recht. Die Gegenseite ging in Revision. Über deren Zulassung entscheiden die Bundesrichter noch im Sommer.

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