Experte fürchtet Stellenabbau über den bislang bekannten Umfang hinaus
Opel-Mitarbeiter fordern Beschäftigungsgarantie

Im Bochumer Opel-Werk wird weiterhin nicht produziert: Die Mitarbeiter haben ihre Proteste gegen den geplanten Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen fortgesetzt. Wenn das Management betriebsbedingte Kündigungen aussschließt, wird ab Montag wieder gearbeitet.

HB BERLIN. Im Bochumer Opel-Werk wird weiterhin nicht produziert: Die Mitarbeiter haben ihre Proteste gegen den geplanten Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen fortgesetzt. Der Betriebsrat forderte am Samstag den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Wenn es eine entsprechende Zusage gebe, werde die Schicht am Montag um 06.00 Uhr die Arbeit aufnehmen, sagte Franco Biagiotti vom Betriebsrat der Nachrichtenagentur AP.

Ein Treffen mit der Unternehmensleitung am Freitagabend bewertete Biagiotti mit den Worten: «Wir sind nicht unzufrieden. Mein Eindruck war, dass es General Motors darum geht, Geld einzusparen. Es müssen wohl nicht unbedingt Köpfe sein.»

Der Sprecher des Bochumer Betriebsrates, Lothar Marquardt, hatte zuvor dem Fernsehsender Phoenix gesagt, der Betriebsrat sei zu weiteren Gesprächen über den Kostenabbau bereit, nachdem die Konzernführung gesagt habe, die Zahl von 10.000 abzubauenden Arbeitsplätzen sei kein Dogma. Marquardt brachte den Übergang von älteren Kollegen in die Rente und Eigenkündigungen ins Gespräch. Der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz, unterstrich erneut, dass es keine Werksschließung und keine betriebsbedingten Kündigungen geben dürfe.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» zufolge könnten bei Opel noch bedeutend mehr Arbeitsplätze als bis jetzt bekannt gefährdet sein. Der Konzern General Motors verzichte nämlich ausdrücklich nur bis 2006 darauf, ein komplettes Werk zu schließen.

GM-Europa-Chef Fritz Henderson räumte im Gespräch mit dem Magazin «Spiegel» ein, zwar sei es möglich, die geplanten Einsparungen von 500 bis 600 Millionen Euro auch ohne Werksschließungen zu schaffen - langfristig könne es dennoch nötig sein, eine Fabrik dicht zu machen: «Das kann ich nicht ausschließen», sagte Henderson. Vor allem das Bochumer Werk sei massiv bedroht: Von allen deutschen Opel-Werken stehe es am schlechtesten da, sagte Henderson der «Welt am Sonntag» (WamS).

Dann allerdings sind weitaus mehr Jobs in Gefahr. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dem Magazin «Focus»: «Wenn sie Bochum ganz dicht machen, sind nicht nur 12 000 Jobs weg, sondern mit den Stellen bei Zulieferern, Bäckern, Hoteliers und im Einzelhandel über 20 000.»

GM-Manager Henderson will außerdem nicht ausschließen, dass weitere Arbeitsplätze über das bislang bekannte Ausmaß hinaus abgebaut werdem müssten: «Wenn sich die Autowirtschaft weiter verschlechtert, müssen wir erneut nachjustieren», sagte Henderson der «WamS». Er könne allerdings nicht erkennen, «dass sich die Lage der Branche in den nächsten ein, zwei Jahren entspannt». Im Gegenteil: Die Rabattschlacht werde Opel weiter unter Druck setzen: «Der Rabattkrieg hat in Euopa längst das Niveau vno Nordamerika erreicht.»

Die EU-Kommission will unterdessen einen Subventions-Wettlauf der europäischen GM-Werke verhindern, berichtete das Magazin weiter. Hintergrund ist die Ankündigung des schwedischen Wirtschaftsministers, Leif Pagrotysker, bis 2007 insgesamt Beihilfen mit einem Volumen von 55 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, damit das Werk in Trollhättan erhalten werden könne.

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