Ferdinand Piëch
Rendite mit 70

Am Dienstag feiert Ferdinand Piëch Geburstag. Das größte Geschenk hat sich der Patriarch selber gemacht: die Blaupause für eine künftige Welt AG namens Porsche-VW-MAN-Scania. Warum Piëch mit 70 Jahren mächtiger ist als je zuvor.

FRANKFURT. Mit versteinertem Gesicht und zusammengekniffenen Lippen drückt der ältere Herr auf dem Podium seinem lächelnden Gegenüber kurz und widerwillig die Hand. Als die Kameras abdrehen, dreht auch er sofort ab.

Er hat eine von ihm selber vor Monaten angezettelte Schlacht geschlagen – und ist in der Nacht zuvor unterlegen. Ferdinand Piëch wirkt müde, er gibt sich wortkarg. So sehen Verlierer aus. Das deuten zumindest seine Gegner so an diesem sonnigen Maitag 2006. Sie glauben, dass es seine letzte große Schlacht war. „Herrn Piëchs Mandat für den Aufsichtsrat endet 2007. Es ist mir nicht bekannt, dass jemand plant, ihn für eine weitere Amtszeit vorzuschlagen“, gibt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff am Rande der VW-Hauptversammlung 2006 siegesgewiss zu Protokoll.

Am Donnerstag findet die nächste Hauptversammlung bei Europas größtem Autokonzern statt. Und rund 350 Tage nach der vorangegangenen sieht die Welt ganz anders aus – die von VW ebenso wie die gesamte Autowelt. Ferdinand Piëch hat das Blatt gewendet.

Nicht einmal ein Jahr hat er gebraucht, um aus Siegern Verlierer zu machen. Wieder einmal hat sich der Patriarch durchgesetzt. An seinem 70. Geburtstag, den er am Dienstag begeht, ist Piëch mächtiger als je zuvor. Kritiker hat er abgeschüttelt, mit dem Einstieg von Porsche bei VW kontrolliert er wesentlich die Geschicke in Wolfsburg – und auch sein größter Triumph ist in Reichweite: die Geburt einer neuen automobilen Welt AG aus VW, Porsche und den LKW-Herstellern Scania und MAN.

Wie der Enkel des Käfer-Erfinders das geschafft hat? Mit der Methode Piëch, einem Mix aus Entschlossenheit, Machtinstinkt und der Taktik eines Schachspielers. Piëch hatte sein Comeback schon lange geplant, Bernd Pischetsrieder war nur eine Figur auf dem Spielfeld.

Vor einem Jahr stand nämlich Pischetsrieder Ferdinand Piëch vor den Kameras lächelnd gegenüber. In der Nacht vor der VW-Hauptversammlung 2006 hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Piëch versucht, den Vorstandsvorsitzenden Pischetsrieder loszuwerden – und war gescheitert. Gegen den Willen des Oberaufsehers erhielt der bärtige Bayer Pischetsrieder einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag bis 2012.

Doch lange konnte er seine Siegespose nicht genießen. Fünf Monate später ist der Kontrakt Makulatur. In einer Nacht- und Nebelaktion stürzte Piëch den einst von ihm bestellten Konzernchef und ersetzte ihn durch seinen Günstling, den Audi-Chef Martin Winterkorn.

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