Fiat Chrysler
Sergio Marchionne flirtet weiter mit GM

Fiat-Chef Sergio Marchionne bringt erneut einen Zusammenschluss mit General Motors ins Gespräch. Seine Ansicht vom aufkeimenden Fusionsfieber teilten andere Hersteller allerdings nicht.
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GenfFiat Chrysler sieht im Zusammenschluss seiner Konkurrenten Peugeot und Opel einen möglichen Startschuss für weitere Fusionen in der Autobranche. Ein Erfolg könnte weitere Deals in Europa auslösen, sagte der Chef des italienisch-amerikanischen Herstellers, Sergio Marchionne, am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. Die Ansicht vom aufkeimenden Fusionsfieber teilten andere Hersteller allerdings nicht.

VW blickt als größter europäischer Hersteller gelassen auf den künftigen deutsch-französischen Konkurrenten, der mit einigem Abstand auf Platz zwei liegen wird: „Der am meisten überschätzte Faktor in der Automobilindustrie ist wahrscheinlich die Größe“, sagte VW-Markenchef Herbert Diess.

„Wenn man sich die Zahlen ansieht, sind es nicht die größten Unternehmen, die am profitabelsten sind“, sagte Diess weiter. "Größe ist nicht das Einzige.“ Dabei hat sich der Wolfsburger Konzern lange mit Toyota ein heißes Rennen um die Krone des weltgrößten Autoherstellers geliefert und im vergangenen Jahr trotz Dieselskandal die Nase vorn gehabt. Mit seinen zwölf Marken gilt er aber auch als besonders schwerfällig. Der vor eineinhalb Jahren von BMW zu Volkswagen gewechselte Diess soll dies nun ändern und die Ertragskraft der Hauptmarke steigern.

Die höchsten Absatzzahlen galten lange als wichtigste Maßeinheit für den Erfolg von Autokonzernen und Managern. Doch spätestens seit der tiefen Krise, in der Schwergewichte wie die Opel-Mutter General Motors oder PSA Peugeot Citroen mit staatlicher Hilfe vor dem Aus gerettet werden mussten, ist der Branche deutlich bewusst, dass der Verkauf möglichst vieler Fahrzeuge nur dann Erfolg bedeutet, wenn ordentlich Gewinn hängen bleibt.

Oberklasse-Konzerne wie Daimler, BMW oder Audi rückten schneller als mancher Massenhersteller die Rendite in den Fokus. Ganz lösen von der prestigeträchtigen Größe kann sich die Branche indes nicht. Der Umbruch in der Autoindustrie verstärkt den Druck auf alle Hersteller, denn die Entwicklung hin zu Elektromobilität und Vernetzung verschlingt immens viel Geld.

Peugeot will nach dem Kauf von Opel Milliarden einsparen und so die verlustreichen Rüsselsheimer langfristig auf Rendite trimmen. Fiat-Chef Marchionne, bekannt für seine Vorliebe für Fusionen, sagte in Genf, sein Haus habe mit der Opel-Mutter GM keine Gespräche über den Deal geführt. Ein Schulterschluss mit den Amerikanern sei aber „weiter erstrebenswert“. Eine Verbindung mit GM brächte noch immer große Vorteile, auch wenn die Synergieeffekte geringer ausfielen. Fiat Chrysler könne gegebenenfalls erneut an GM herantreten.

Marchionne hatte bereits 2015 einen Vorstoß gewagt, sich aber einen Korb geholt. Vor knapp einem Jahr nannte er Volkswagen, Toyota und Ford als ebenfalls geeignete Fusionspartner. Weil der Zusammenschluss von Opel und Peugeot die größten Auswirkungen auf VW habe, könne dies die Wolfsburger schließlich dazu bewegen, die Logik eines Zusammengehens mit Fiat Chrysler einzusehen, sagte Marchionne.

VW-Konzernchef Matthias Müller strahlte dagegen Ruhe aus: „Opel und PSA werden sich dabei etwas gedacht haben. Auf unsere Pläne hat es zunächst einmal keinen Einfluss.“ VW werde eigenen Ideen und Überlegungen umsetzen. Auf die Frage, ob VW jetzt unter einen höheren Wettbewerbsdruck gerate, sagte Müller: „Wir haben den Wettbewerber Opel und den Wettbewerber PSA in der Vergangenheit auch ernst genommen. Das waren zwei Marken und jetzt sind sie unter einem Dach. Ich glaube nicht, dass sich da allzu viel verändern wird.“

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, Mercedes-Benz als Premiumhersteller sei nicht von der Fusion betroffen. Sein Haus könne aus eigener Kraft wachsen und brauche keine Übernahme. „Wir beweisen es, dass man in Europa sehr gutes Geld verdienen kann.“ Zetsche sagte weiter: „In Europa ist im Moment Fiat übrig als ein mit begrenztem Volumen ausgestatteter Spieler. Ansonsten ist im Wesentlichen alles verteilt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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