Finanzkrise
Autobranche vor neuer Sparrunde

Die Autoindustrie steuert wegen der Finanzkrise auf eine neue Sparrunde zu. Für die Banktöchter der Hersteller wird es immer schwieriger, sich am Kreditmarkt zu versorgen. Damit verliert die Branche, die mit einer schrumpfenden Nachfrage in den USA und Europa zu kämpfen hat, zunehmend ein wichtiges Mittel, um den Absatz mit günstigen Finanzierungskonditionen anzukurbeln.

HB PARIS. In Westeuropa werden bis zu 30 Prozent der Neuwagenkäufe durch Kredite oder Leasing finanziert. „Wenn der Kreditmarkt zusammenbricht, wird das ein großes Problem für die Autobanken“, sagte Analyst Emmanuel Bulle von der Ratingagentur Fitch beim Reuters Auto Summit, einem Treffen hochrangiger Automanager und Branchenexperten, am Dienstag in Paris. Er erwartet eine zweite Konsolidierungswelle in der Branche.

Neben der Finanzkrise werden die Autobauer vom starken Euro, steigenden Energiepreisen und hohen Kosten für Rohstoffe wie Stahl und Kunststoff belastet. Von Januar bis Ende August dieses Jahres sei der Markt in Westeuropa um fünf Prozent geschrumpft, sagte Bulle: „Für die kommenden zwölf Monate sind wir sehr pessimistisch.“ Der Kreditanalyst rechnete damit, dass sich die Autonachfrage auch im nächsten Jahr nicht erholen wird. Im Schnitt dauere eine Abschwungphase zwei bis zweieinhalb Jahre. Dabei gehe der Absatz um bis zu 20 Prozent zurück, sagte Bulle.

„Die Weltmärkte bewegen sich in Richtung Rezession“, heißt es in einer Analyse des Gelsenkirchener Marktforschungsinstituts CAR. Bisher habe der Boom in Schwellenländern in Asien und Osteuropa die Absatzschwäche in den USA und Westeuropa überkompensiert. „Das wird in den Jahren 2008 und 2009 nicht mehr der Fall sein“, prognostizierte CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer. Im laufenden Jahr würden in den Vereinigten Staaten und Westeuropa über drei Mill. Pkw weniger verkauft. Zudem sei die Produktion in den Wachstumsmärkten in hohem Tempo aufgestockt worden. Zu den großen Überkapazitäten in den USA und Westeuropa kämen in den folgenden Monaten weitere in China, Indien und Brasilien hinzu. „Dies macht die Lage besonders brisant“, erläuterte Autoprofessor Dudenhöffer.

Wegen der Finanzkrise und dem daraus resultierenden Nachfragerückgang kündigte der schwedische Lkw-Bauer Volvo an, seine Lastwagenproduktion zurückzufahren und rund 1400 Arbeitsplätze abzubauen. Viele Kunden in Europa, Volvos wichtigstem Markt, hätten Probleme, sich Kredite zu beschaffen. Wegen der geplanten Stellenstreichungen in zwei Fabriken in Belgien und Schweden will der Konzern Gespräche mit den Gewerkschaften aufnehmen. Erst vergangene Woche hatte der Konzern, der hinter Daimler weltweit die Nummer zwei ist und auch mit MAN konkurriert, seine Wachstumsziele bekräftigt.

Kreditanalyst Bulle erwartet auch bei den Pkw-Herstellern weiteren Personalabbau. Die Zahl der Stellen werde um bis zu zehn Prozent schrumpfen. Die Streichungen würden aber vermutlich niedriger ausfallen als bei der Restrukturierungswelle vor vier Jahren, der europaweit Zehntausende Arbeitsplätze zum Opfer gefallen waren.

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