Industrie
Ford ordnet Vertrieb in Europa neu

Der Autokonzern Ford geht bereits in der kommenden Woche mit einem neu geordneten Vertrieb in Europa an den Start. Der Hersteller werde ab September die Vertriebsverantwortung für die Märkte in West- und Osteuropa trennen, um den boomenden Märkten im Osten besser gerecht zu werden, wie ein Ford-Sprecher sagte.

hz FRANKFURT. Ford hatte die neue Struktur Ende Juli ohne genauenTermin angekündigt. Der Autokonzern reagiert damit nach Ansicht von Experten auf die sich sehr unterschiedlich entwickelnden Automärkte in Europa. Während der Absatz in Westeuropa seit Jahren kaum noch wächst, legen die Verkaufszahlen in den weniger entwickelten Automärkten im Osten massiv zu.

Nach Daten des europäischen Branchenverbandes Acea hat Ford im ersten Halbjahr in Westeuropa mit rund 660 000 Fahrzeugen 1,2 Prozent weniger Autos verkauft. In Ost- und Zentraleuropa kletterten die Ford-Verkäufe dagegen um knapp 30 Prozent auf rund 41 000 Fahrzeuge. Geleitet wird die neue regionale Vertriebsorganisation Westeuropa von Fords derzeitigem Italien-Chef, Massimo Pasanisi. Der gebürtige Römer wird damit künftig für die Verkäufe unter anderem in Frankreich, Spanien und Italien verantwortlich sein. Die beiden wichtigsten Ford-Märkte in Europa, Großbritannien und Deutschland, werden allerdings weiterhin von separaten Vertriebsorganisationen geführt. Die neue Organisation für Nord- und Osteuropa wird dagegen von Peter Fleet geführt. Der 40-Jährige Brite, der bisher bei Ford Europa für die Nutzfahrzeugsparte verantwortlich war, ist damit künftig unter anderem für die Automärkte in Polen, Ungarn, Tschechien und den baltischen Staaten zuständig.

Bisher hatte Ford seinen Vertrieb in Europa ohne diese regionale Unterteilung aus Köln geführt. Die neue Organisation erlaubt es Ford laut Vize-Vertriebschef Ingvar Sviggum, effektiver auf die Dynamik in Westeuropa und auf die Verkaufschancen im Osten einzugehen. Experten begrüßen die neue Vertriebsstruktur. „Das ist ein cleverer Zug“, sagte ein Auto-Analyst. Die Nachfrage auf den etablierten Märkten Westeuropas folge völlig anderen Mustern als denen in Osteuropa. Christoph Stürmer, Autoexperte des Brancheninstituts Global Insight, glaubt, dass Ford sich mit dem Schritt auch auf den sich anbahnenden Kauf des ehemaligen Daewoo-Werks im rumänischen Craiova vorbereitet. Ford könnte künftig bis zu 300 000 Fahrzeuge in der Fertigungsstätte bauen, die derzeit vom rumänischen Staat versteigert wird – und für die Ford als einziger Bieter gilt, nachdem GM abgewinkt hatte.

Nach Einschätzung von Experten wird der Automarkt in den nächsten Jahren vor allem im Osten wachsen. Westeuropa gilt dagegen als gesättigter Markt. Einer Studie des Leverkusener Prognose-Instituts B&D Forecast zufolge werden die international tätigen Autohersteller bis zum Jahr 2010 ihre Produktionskapazitäten in Ost- und Zentraleuropa von 2,4 Millionen auf etwas mehr als fünf Millionen PKW verdoppeln. Russland sei dabei das Boom-Land schlechthin. Im Gegenzug würden in Westeuropa Überkapazitäten abgebaut.

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