Forschungserfahrung gegen kostspielige Entwicklung
Boehringer Ingelheim investiert in Evotec

Die Hamburger Biotechnologiefirma Evotec OAI hat eine Forschungskooperation mit Boehringer Ingelheim an Land gezogen. Wie die Unternehmen gestern bekannt gaben, werden sie in den kommenden drei Jahren gemeinsam nach möglichen Wirkstoffen für die Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems suchen.

FRANKFURT/M. Boehringer Ingelheim wird für die Forschungsleistungen aus Hamburg bezahlen.Der größte deutsche Pharmakonzern wird nach Angaben einer Sprecherin einen zweistelligen Millionenbetrag in die neue Kooperation stecken. Wenn aus der Zusammenarbeit ein marktfähiges Produkt hervorgeht, wird Boehringer Ingelheim seine Vertragspartner zudem am Umsatz beteiligen.

Evotec OAI werde seine Technologie und seine Erfahrung in frühen Forschungsphasen in die Kooperation einbringen. Boehringer Ingelheim werde die kostspielige klinische Entwicklung und die Vermarktung übernehmen. Mit von der Partie ist auch Evotec Neurosciences, eine Tochter, die sich der Suche nach Wirkstoffen zur Therapie von Erkrankungen des zentralen Nervensystems verschrieben hat.

Dieses Forschungsfeld ist für die Pharmaindustrie besonders spannend, weil Krankheiten wie Parkinson bislang fast nicht zu behandeln sind. Rund 40 Forscher der drei Unternehmen werden im Rahmen der Kooperation versuchen, Moleküle zu identifizieren, die sich als medizinische Wirkstoffe eignen könnten. Eine erste Projektgruppe habe die Arbeit bereits aufgenommen.

Dabei unterhalten die Wissenschaftler nach Unternehmensangaben eine professionelle Fernbeziehung. Es sei nicht geplant, sie im selben Labor arbeiten zu lassen. Stattdessen seien virtuelle Teams gebildet worden, die über Telefon und andere Datenleitungen zusammenarbeiten sollen. Die gemeinsame Forschung beschränkt sich auf die Entwicklung von Molekülen, die bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche der menschlichen Zelle manipulieren und dadurch Reaktionen im Innern der Zelle auslösen. Das ist kein neuer Ansatz: Etwa jeder vierte der wichtigsten 100 vorhandenen pharmazeutische Wirkstoffe zielt Evotec zufolge auf diese Rezeptoren ab. Dennoch sprechen Experten gerade diesem Forschungsansatz ein riesiges Potenzial für die Wirkstoffentwicklung zu. Die heute erhältlichen Medikamente mit diesem Wirkmechanismus werden gegen die unterschiedlichsten Krankheiten eingesetzt. Das Spektrum reicht nach Angaben der Gesellschaft deutscher Chemiker von Bluthochdruck bis zu Depressionen.

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