Frankreichs Energieerzeuger soll bei Teilprivatisierung Abschlagszahlung an die staatlichen Rentenkassen leisten
Pensionsfrage setzt EDF unter Strom

Bei ihrem Beschluss, die beiden staatlichen Versorger Electricité de France (EDF) und Gaz de France (GDF) zu Privatunternehmen zu machen, hat Frankreichs Regierung eine brisante Frage ausgeklammert: Bisher gibt es noch keine Entscheidung darüber, wie EDF und GDF die milliardenschweren Pensionslasten finanzieren sollen.

PARIS. Das Problem betrifft vor allem EDF mit seinen 167 000 Mitarbeitern. Bei GDF arbeiten 38 000 Leute. Allein der Barwert der EDF-Pensionsverpflichtungen beläuft sich auf 80 Mrd. Euro, schätzt Bernard Brun, Chef des Branchenverbandes UFE.

Es gibt zwei sich ergänzende Rentensysteme für die Mitarbeiter der Gas- und Strombranche: Ein Basis-Rentensystem und eine Kasse für die Zusatzrente. Die 80 Mrd. Euro Rentenlasten setzen sich rund je zur Hälfte aus beiden Systemen zusammen. Müsste EDF nach seiner Umwandlung in einer Aktiengesellschaft diese Rentenlasten als Passiva in die Bilanz einstellen, wäre das Unternehmen sofort von der Überschuldung bedroht – und für Investoren nicht mehr attraktiv.

Daher sollen diese Rentenlasten in die staatlichen Systeme überführt werden. Die Idee: Die Schaffung einer neuen Rentenkasse für die Strom- und Gasbranche, hinter der die staatlichen Versicherungsträger Cnav, Agirc und Arrco stehen. Damit die Rentenversicherer nicht unter Pensionslast des Stromriesen zusammenbrechen, soll EDF Abschlagszahlungen leisten.

Über die genaue Höhe wird gepokert. EDF-Chef François Roussely wagt derzeit keine Prognose, wie hoch die Rechnung für sein Haus ausfallen könnte: „Die Verhandlungen laufen.“ Danièle Karniewicz, Präsidentin der Cnav, wird genauer: „Die notwendige Abschlagszahlung bewegt sich allein für die Cnav in einer Größenordnungen zwischen 5 bis 10 Mrd. Euro“, sagte sie dem Handelsblatt. „Zusammen mit den Zahlungen an die Ergänzungskassen Agirc und Arrco dürfte EDF rund 15 Mrd. Euro zahlen müssen“, schätzt UFE-Präsident Brun.

Die exakte Zahl sei schwer zu schätzen, da sie auf langfristigen Annahmen über das Wirtschaftswachstum, künftige Beitragszahlungen und über die Lebenserwartung der EDF-Pensionäre getroffen werden müssen. „Daher wollen wir in der Vereinbarung mit EDF auch eine Art Revisionsklausel einbauen“, sagt Karniewicz. Reicht das Geld nicht, soll EDF nachschießen. EDF will dagegen die Pensionsansprüche mit einem Schlag loswerden.

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