Franz-Josef Paefgen, Chef von Bugatti und Bentley im Gespräch mit dem Handelsblatt
Bugatti: Immer ein Auto weniger als der Markt verlangt

VW und seine Luxusmarken - eine Erfolgsgeschichte? Franz-Josef Paefgen erläutert im Gespräch mit dem Handelsblatt, weshalb es ausgerechnet unter deutscher Führung gelungen ist, mehrere britische Traditionsmarken wiederzubeleben. Nach zehn Jahren Bentley zieht der Markenchef von Bentley und Bugatti eine erstaunliche Bilanz und blickt mehr als optimistisch in die automobile Zukunft.

Herr Dr. Paefgen, es ist zehn Jahre her, dass VW Bentley übernommen hat. Wie stellt sich die Bilanz aus Ihrer Sicht dar?


Ich würde sagen, wir haben die Erwartungen mehr als erfüllt. Der ursprüngliche Plan war, rund 9 000 Autos im Jahr zu verkaufen. Wir haben die Produktion von 1 000 auf über 10 000 im vergangenen Jahr gesteigert. Zugleich haben wir den operativen Gewinn von praktisch Null auf rund 155 Millionen Euro hochgefahren, die Belegschaft auf knapp 4 000 verdoppelt, das Händlernetz erweitert und Hunderte von Ingenieuren und Entwicklern neu eingestellt. Statt einer Modellreihe haben wir jetzt zwei, statt drei Varianten sechs.

Hat es sich insgesamt für VW gelohnt, sich eine Gruppe von Luxusmarken anzuschaffen?
Der Konzern hat sich früh für eine Mehrmarken-Strategie entschieden, um in allen Segmenten Erfolge erzielen zu können. Da das Geschäft in der Luxusklasse gute Renditen ermöglicht, ist der Konzern auch hier präsent - mit unterschiedlichen Marken für unterschiedliche Kundenkreise.

Der Vorwurf, dass Marken wie Bentley und Bugatti teure Hobbys des Ex-Vorstandschefs Ferdinand Piech sind, ist also widerlegt?
Bezogen auf die Umsatzrendite ist Bentley eine der erfolgreicheren Marken im Konzern.

Welche Synergien zieht Bentley konkret aus der Zugehörigkeit zur VW-Gruppe?
Es gibt immer zwei Seiten. Die anderen Marken im Konzern profitieren auch von Bentley. Wir sind der größte Zwölfzylinder-Hersteller der Welt. Etwa ein Drittel aller Zwölfzylinder-Modelle auf der Welt kommt von Bentley. Im Konzernverbund stellen wir in diesem Bereich das höchste Kontingent. Dadurch profitieren andere Marken von erheblichen positiven Synergien. Das gleiche gilt für große Getriebe und bestimmte Fahrwerkskomponenten. Andersherum nutzen wir gezielt einzelne Komponenten anderer Konzernmarken, um Sie in die Entwicklung bei Bentley einfließen zu lassen.

Könnte Bentley so erfolgreich arbeiten, ohne Teil eines großen Autokonzerns zu sein?
Wohl kaum. Ich sage schon immer, dass Luxusmarken ohne einen starken Partner schlechte Chance haben. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens fehlen die Ressourcen und die Kompetenz zur Entwicklung fortschrittlicher Technologien. Dann macht es einen großen Unterschied, ob Sie allein oder als Teil eines großen Verbunds mit Zulieferern sprechen. Und schließlich profitieren wir bei der Qualitätssicherung davon, dass wir konzerneigene Einrichtungen wie ein Zentrallabor und eine Teststrecke mit nutzen können.

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