Gallardo sowie Schmolz + Bickenbach
Stahlfirmen aus der zweiten Reihe trumpfen auf

Die Konsolidierung in der weltweiten Stahlindustrie schreitet voran. Arcelor Mittal gab am Mittwoch den Verkauf der Tochter Stahlwerke Thüringen an das spanische Privatunternehmen Grupo Alfonso Gallardo bekannt. Zugleich meldete die schweizerische Schmolz + Bickenbach, dass sie den US-Werkzeugstahlhersteller A. Finkl & Sons bis Anfang 2007 übernehmen will.

DÜSSELDORF. Insbesondere der Zukauf der Spanier in Ostdeutschland zeigt, dass einigen Stahlunternehmen das Geld mittlerweile recht locker in der Tasche sitzt. Die Trennung erfolgte aus kartellrechtlichen Gründen. Wie es in Finanzkreisen heißt, waren an der Auktion zunächst mehr als zwei Dutzend Bieter beteiligt, darunter auch der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter und der Stahlunternehmer Jürgen Großmann mit seiner Georgsmarienhütte Holding. Doch beide Unternehmen stiegen aus dem Bieterwettstreit aus, als die Gebote immer weiter in die Höhe kletterten.

Nach Angaben von Arcelor Mittal beträgt der Wert der Transaktion 591 Mill. Euro. Für den Erwerb des profitablen Herstellers von Bauträgern zahlt Gallardo damit eine Prämie von 150 Prozent auf den Umsatz von 400 Mill. Euro. Bei den jüngsten Übernahmen in der Branche zahlten die Käufer dagegen maximal einen Jahresumsatz als Kaufpreis. Alfonso Gallardo war erst 2005 in das Bauträgergeschäft eingestiegen, als er drei Betonstahlwerke von Arcelor in seiner Heimat kaufte. Sein Mischkonzern peilt 2,3 Mrd. Euro Umsatz für 2006 an.

Dass Salzgitter nicht bis zum Schluss für die Stahlwerke Thüringen mitgeboten hat, verwundert Hermann Reith, Analyst der BHF-Bank in Frankfurt, nicht. Schließlich hatte Konzernchef Wolfgang Leese betont, dass „die Akquisition unsere strengen Rentabilitätskriterien erfüllen muss“. „Es wäre schon überraschend gewesen, wenn Salzgitter denselben Preis wie Gallardo geboten hätte“, meint Reith. Schließlich wird Salzgitter selbst trotz eines Rekordergebnisses von 1,7 Mrd. Euro von der Börse nur mit dem 0,57-Fachen des Umsatzes von gut acht Mrd. Euro bewertet.

Für ihren geplanten Zukauf in den USA erhielt Schmolz + Bickenbach (S+B) Beifall von der Börse. Der Kurs legte in Zürich um bis zu sieben Prozent zu. Wie Vorstandschef Benedikt Niemeyer dem Handelsblatt sagte, verschafft die Übernahme von A. Finkl & Sons (AFS) der Gruppe wegen des schwachen Dollars einen Wettbewerbsvorteil. „Ab 2009 können wir im neuen Werk in Chicago zusätzlich bis zu 40 000 Tonnen Stahlblöcke kostengünstig produzieren und sie dann in Deutschland weiterverarbeiten.“ AFS will die Produktion in den nächsten Jahren um die Hälfte steigern.

Angaben zum Kaufpreis machte Niemeyer nicht. Nur so viel: AFS habe zuletzt bei einen Umsatz von umgerechnet 200 Mill. Euro eine operative Marge von 15 Prozent erzielt. Wie es in Branchenkreisen heißt, hat S+B bei AFS den österreichischen Konkurrenten Böhler Uddeholm aus dem Feld geschlagen. Das einstige private Stahlhandelsunternehmen Schmolz + Bickenbach avancierte durch den Kauf von Swiss Steel, zwei Edelstahlwerken von Thyssen-Krupp sowie der Arcelor-Tochter Ugitech zum weltweit führenden Produzenten von Spezialstählen mit aktuell 3,5 Mrd. Euro Umsatz.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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