Gebrauchtwagenmarkt
Das Dieselauto als Problemfall

Manipulationen, Tricksereien, Fahrverbote: Immer weniger Menschen wollen einen Diesel. Der Grund: Das Image ist miserabel, die Verbraucher sind verunsichert. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird das zunehmend zum Problem.
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DüsseldorfDie Deutschen und ihre Autos – jahrzehntelang war das eine uneingeschränkte Liebesgeschichte. Doch nach Abgas- und Dieselskandal droht diese Liebe erhebliche Risse zu bekommen: Das Dieselauto entwickelt sich vom Liebling der Vielfahrer zum Problemfall für Autobesitzer. Zu negativ waren die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate, zu realistisch das Szenario eines Fahrverbots.

Einer, der das hautnah mitbekommt, ist Andreas Kraemer. Er ist Geschäftsführer des Autohandels P&A-Preckel, der im gesamten Rheinland mit gut 14.500 Fahrzeugen pro Jahr handelt. „Viele Kunden haben ihre Kaufentscheidungen zurückgenommen und sind von einem Diesel auf einen Benziner umgestiegen. Die Verunsicherung ist spürbar“, berichtet er. Besonders betroffen seien die gewerblichen Partner, da Modelle für diese zum Großteil Diesel sind. „Seit im letzten Jahr zum ersten Mal über Fahrverbote – unter anderem in Düsseldorf – spekuliert wurde, ist die Skepsis gestiegen“, erzählt Kraemer. Und das bei aller Abhängigkeit vom Diesel, die laut Kraemer noch immer besteht – trotz Benzin- und Elektromotoren. „Wenn alle Menschen Benziner fahren, steigt die Belastung für die Umwelt immens. Und um alle Fahrzeuge auf Elektroautos umzustellen, fehlen ja noch die Ressourcen.“

Eine Studie des Internet-Autohändlers Autoscout24 dürften ebenfalls nicht zur Beruhigung von Händlern wie Kraemer beitragen: Bei einer repräsentativen Umfrage im deutschsprachigen Raum unter gut 1000 Personen gaben zwar 27 Prozent an, privat einen Diesel zu fahren. Beim Kauf eines neuen Autos würden davon aber nur noch 38 Prozent wieder nach einem Dieselauto schauen. Insgesamt würden das sogar nur 15 Prozent aller Autofahrer tun.

„Die Umfrage zeigt die Verunsicherung der Autofahrer aufgrund der anhaltenden Diskussionen und ungelösten Probleme beim Diesel“, kommentiert Sebastian Lorenz von Autoscout24 die Zahlen. Außerdem macht sich rund ein Viertel der Befragten Sorgen, wo man in Zukunft noch Dieselfahrzeuge fahren darf. Beliebter als der Diesel ist nach wie vor der Benziner, den 44 Prozent der Befragten vor anderen Antriebsarten bevorzugen würden – noch vor alternativen Antriebsarten wie Hybrid oder Elekro (29 Prozent).

Gerade bei den Onlinemarktplätzen macht sich die Dieselskepsis bemerkbar. Bei Mobile.de wurden im Mai 2016 rund 20 Prozent mehr Dieselautos angeboten als noch ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Bei Benzinern waren es gerade mal 1,6 Prozent mehr. Bei Autoscout24 ergibt sich ein ähnliches Bild: „Wir registrieren seit Anfang des Jahres eine stärkere Zunahme beim Angebot an Dieselautos im Vergleich zu den Benzinern“, erklärt Lorenz.

Viele Kunden der beiden Onlineportale wollen also ihre Dieselfahrzeuge loswerden – doch das abnehmende Interesse macht sich langsam auch auf der Käuferseite bemerkbar. Durchschnittlich waren die Angebote im Mai 2017 etwa auf Mobile.de 85 Tage online – bot man aber einen Diesel an, musste man im Schnitt immerhin dreieinhalb Tage länger auf einen Käufer warten. Zum Vergleich: Im Mai 2016 wartete man nur 80 Tage auf einen Käufer – insgesamt entspricht das einer Zunahme von über 11 Prozent. Wer einen Käufer für einen Benziner sucht, muss lediglich einen Tag länger warten, als im Vorjahr – nämlich 80 Tage.

Kommentare zu " Gebrauchtwagenmarkt: Das Dieselauto als Problemfall"

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  • wer hat eigentlich den "Umweltverbänden" ein Mandat gegeben, für die Verbraucher zu sprechen. Bei der "Deutschen Umwelthilfe" u.v.a. handelt es sich wohl eher um einen Lobbyverein, der vor allem den eigenen Geldbeutel im Visier hat. Es dürfte wohl jedem klar sein, dass bei einem Auto (nicht nur beim nun als "Feind" auserkorenen Diesel) hinten "keine Blumen rauskommen". Trotzdem wird wieder, von interessierten (grünen) Kreisen, aus einer Mücke eine Elefant gemacht. Man erfährt mehr über das "ewige Spiel" der grünen Weltverbesserer, wenn man z.B. mal seine Suchmaschine mit "Tichys" und "Waldsterben" füttert. Es gibt auf dem Erdball wohl kein Volk, das zugunsten diverser "Rettungsszenarien" beharrlicher an der Abschaffung seiner eigenen Industrie und damit seines Wohlstands hinarbeitet.

    Mit den Grünen und Ihren Verbündeten zurück in die Steinzeit.

  • Das kan man doch sehen, was da hinten aus dem Auspuff kommt, oder etwa nicht?

    Und jetzt die Überraschung. Das muss man nicht verstehen.

  • Die Kraftstoffe sollen nach Energiegehalt besteuert werden und nicht nach Volumen, dann ist der Diesel Geschichte.

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