Gefüllte Kriegskasse
Japans Firmen greifen im Ausland an

Nach fünf Jahren steigender Gewinne wollen japanische Firmen ihr Geld einsetzen. Die Kassen der börsennotierten Unternehmen sind mit gut 400 Milliarden Euro gefüllt, viele Übernahmen sind in Arbeit: Die Japaner wollen sich vom lauen Heimatmarkt emanzipieren.

TOKIO. Nach fünf Jahren steigender Gewinne sieht sich Japans Unternehmenswelt nach Übernahmekandidaten im Ausland um. Die börsennotierten Unternehmen des Landes verfügen zusammen über 400 Mrd. Euro an schnell einsetzbaren Mitteln. „Es vergeht kaum ein Tag ohne Neuigkeiten über angekündigte Fusionen und Übernahmen“, sagt Chefstratege Mamoru Shimode von der Deutschen Securities. Insbesondere in den Branchen Industrieelektronik, Pharma, Chemie, Einzelhandel und Medien seien viele Unternehmenskäufe zu erwarten.

So ist denn auch eine Reihe von Übernahmen mit hohem Kaufwert in Arbeit: Der Medikamentenhersteller Shionogi hat am Montag angekündigt, in den USA Sciele Pharma für 1,4 Mrd. Dollar zu übernehmen. Büromaschinenspezialist Ricoh erklärte seine Absicht, den US-Konkurrenten Ikon Office Solutions für 1,6 Mrd. Dollar zu kaufen. Sony kauft Bertelsmann aus dem gemeinsamen Musikgeschäft heraus. TDK schluckt Epcos, Deutschlands größten Hersteller von elektronischen Bauelementen. Sein Unternehmen sei dafür kritisiert worden, die lange gehorteten 300 Mrd. Yen (knapp zwei Mrd. Euro) an Barreserven nicht gewinnbringend einzusetzen, sagte TDK-Chef Hajime Sawabe. Zwei Drittel davon gibt das Unternehmen nun für Epcos aus.

Vor allem die japanische Pharmabranche zeigt derzeit Mut zum Sprung ins Ausland. Die Unternehmen sind wegen der wohlhabenden und alternden Bevölkerung im Heimatmarkt reich, aber bisher forschungsschwach und auf den heimischen Inselmarkt fixiert. Doch jetzt bietet beispielsweise der Branchenzweite Daiichi Sankyo für eine Mehrheitsbeteiligung an dem großen indischen Generikahersteller Ranbaxy. Und der Spezialist für Lungenmedikamente Eisai hat die US-Startups Morphotek und MGI Pharma für mehrere Mrd. Euro übernommen. Marktführer Takeda kaufte seinem US-Partner Abbott Laboratories dessen Anteil an einem Gemeinschaftsunternehmen ab. Takeda übernimmt ebenfalls Millenium Pharmaceuticals, ebenfalls ein US-Unternehmen.

In der Pharmabranche sei Größe ein wichtiger Faktor, sagt Kenji Masuzoe von der Deutschen Securities. „Wir glauben, es wird deshalb weitere Konsolidierungen geben.“ Umgekehrt würden auch mehr ausländische Anbieter Schneisen in den lukrativen japanischen Markt schlagen wollen. Interessante Übernahmekandidaten seien die Spezialanbieter Shionogi, Ono Pharmaceutical und Kissei.

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