General Electric
Nicht sauber, aber grün

In Zeiten, in denen Al Gore den Friendsnobelpreis erhält und im Kampf gegen den Klimawandel ganz Deutschland für fünf Minuten das Licht ausschaltet, beneiden viele Konzerne General-Electric-Chef Jeffrey Immelt um seine Öko-Kampagne. Das Geheimnis seines Erfolgs: Er verbindet clever grünes Image mit dem Kampf um Zukunftsmärkte.

NISKAYUNA. Auch mehr als 75 Jahre nach dem Tod des berühmten Erfinders kommt bei General Electric keiner an Unternehmensgründer Thomas Alva Edison vorbei. Wer das Forschungszentrum des Mischkonzerns in Niskayuna, drei Autostunden nördlich von New York City, betritt, blickt in der Eingangshalle direkt auf den Schreibtisch Edisons. Obendrauf liegen alte Skizzen von Glühbirnen und Phonographen – nur zwei der zahlreichen bahnbrechenden Erfindungen Edisons. Es sieht aus, als wäre Edison erst gestern noch hier gewesen.

Doch wer eine der acht Schubladen aus Massivholz öffnet, wird enttäuscht: Drinnen ruhen keine weiteren Schätze der ehemaligen "Edison General Electric Company“, sondern nur profan-moderne Sicherheitsbrillen aus Plastik.

Allmählich verschwinden auch die letzten Hinterlassenschaften des Mannes, der mit seinen Erfindungen über Elektrizität und Kraftwerke dem Industriezeitalter neuen Schub gab. Im Global Research Center von General Electric (GE), einem der größten Forschungslabors der Welt, haben sie Edisons Glühbirnen gerade gegen neumodische Energiesparlampen ausgetauscht. Auf den Dächern des Forschungszentrums platzieren Edisons Nachfahren Solarzellen. Ein Blackberry-ähnlicher Minicomputer soll bald Auskunft über jeden Tropfen Wasser und jeden Funken Strom geben, der von den fast 2 000 Wissenschaftlern in Niskayuna verbraucht wird. So weit, so grün. Thomas Edison würde staunen.

Kaum ein Konzern hat sich so erfolgreich ein grünes Image verpasst wie General Electric. Während Industrieunternehmen weltweit nach Strategien suchen, offensiv mit Themen wie dem Klimawandel, Nachhaltigkeit und Umweltzerstörung umzugehen, kann sich GE-Chef Jeffrey Immelt entspannt zurücklehnen und beobachten, wie Konkurrenten ihn um sein grünes Gut-Firmen-Image beneiden – gerade in einer Woche, in der auf Bali die Klimakonferenz der Vereinten Nationen um eine zukünftige Weltklimastrategie feilscht.

Doch auch bei GE ist längst nicht alles grün, was glänzt. Vieles von dem, was Immelt als "öko“ verkaufen lässt, ist schlicht eine strategische Investition in Zukunftsmärkte. Als erster Weltkonzern ist GE angetreten zu beweisen, dass "grüne“ Produkte die Umsatzbringer der Zukunft sind.

Die vier Herzen dieser Zukunft schlagen in Bangalore, in Schanghai, in München – und hier in Niskayuna. 3 000 Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Fachgebieten arbeiten in den vier Forschungszentren an ein und demselben Auftrag: Sie sollen neue Technologien entwickeln für Zeiten, in denen der Ölpreis jenseits der 100-Dollar-Marke schwebt und andere Rohstoffe immer knapper werden. Die Hoffnungsträger: CO2-Einlagerung und Meerwasserentsalzung, Nanotechnologie und Strömungstechnik.

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