General Motors
Ein Zukunftskonzept für Opel? Nirgends!

Der Boss des kriselnden US-Autokonzerns General Motors, Rick Wagoner, hat in einer Angelegenheit für Klarheit gesorgt: Der wankende US-Gigant ist bereit, sich auf einen Verkauf von Opel einzulassen. Doch viele andere Fragen sind noch offen. Das Handelsblatt erörtert die wichtigsten zur möglichen Zukunft der Marke mit dem Blitz.

FRANKFURT. Offen sind insbesondere die Fragen nach dem Zukunftskonzept von Opel und dem Besuch des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers in der GM-Zedntrale in Detroit. Vorerst sollen keine Werke in Europa geschlossen werden, berichtet der Minister. Doch die Lage ist nach der Vorlage des neuen Restrukturierungsplans des US-Autokonzerns kaum übersichtlicher geworden.

Was löst eine GM-Insolvenz aus?

Wenn GM in die Insolvenz geht, bedeutet dies nicht automatisch das Ende Opels. Es gibt in den USA zwei Varianten der Insolvenz. Eine Chapter 7-Insolvenz beendet die operative Geschäftstätigkeit. Das wäre eine Katastrophe mit weltweiten Auswirkungen, auch für Opel. Bei einer Chapter 11-Insolvenz wird die Geschäftstätigkeit fortgesetzt und Gläubigerschutz gewährt, allerdings mit Auflagen. So arbeitet die Europatochter des US-Zulieferers Delphi seit Jahren mit einem Mutterkonzern, der unter Chapter 11 steht. Das Problem für Opel besteht darin, dass der Autobauer am Cash-Pool des Mutterkonzerns hängt. So hat Opel bisher nicht einmal ein eigenes Konto. Im Falle einer GM-Pleite wäre Opel damit am selben Tag selbst zahlungsunfähig. Alles muss in diesem Fall dann ganz schnell gehen: Entweder Eigenständigkeit oder Bach runter.

Wie lässt sich Opel herauslösen?

Eine Möglichkeit wäre, eine europäische Gesellschaft zu gründen, in der die europäischen GM-Marken Opel, Vauxhall und Saab zusammengefasst werden. Diese GM-Tochter müsste einen eigenen Zugang zum Kapitalmarkt haben, eigene Markenrechte und Lizenzen für Entwicklungen und Technologien besitzen. An dieser rechtlichen Einheit könnten sich die Landesregierungen der jeweiligen Standorte und andere Investoren beteiligen. Um das durchzusetzen ist nach Meinung von Christoph Stürmer, Analyst des Marktforschungsinstituts Global Insight, auf europäischer Ebene politischer Druck nötig. Bei Technik und Entwicklung sind GM und Opel aber so eng verwoben, dass eine abrupte Scheidung kaum möglich ist. Das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum ist für zwei globale Fahrzeug-Plattformen zuständig. Alle Opel-Modelle wiederum nutzen Komponenten aus dem GM-Baukasten.

Wer könnte Investor sein?

Das Management von Opel und GM Europa ist bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln. Auch GM-Boss Wagoner hält einen Verkauf nicht für undenkbar. Bisher habe sich kein Kaufinteressent gemeldet, sagte er. Damit ist das Thema auf dem Tableau. Experte Stürmer von Global Insight hält sowohl einen Einstieg des Staates nach dem VW-Modell als auch einen Zusammenschluss mit einem anderen Hersteller der gleichen Größenordnung wie Fiat oder Suzuki für möglich. Auch eine vertiefte Partnerschaft mit dem französischen Autobauer Renault, mit dem Opel bereits bei Transportern zusammenarbeitet, halten Experten für denkbar.

In Rüsselsheim wird bereits von einer Liason mit BMW und Daimler geträumt. Die Sache hat nur einen Haken: Mitten in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten werden die Konkurrenten Opel nicht gerade die Tür einrennen. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte die anderen deutschen Automobilhersteller bereits auf, zu überlegen, ob Opel nicht eine "Portfolioergänzung" für das eine oder andere Unternehmen sein könne. Doch die Geschichte von der Perle Opel könnte sich bei nähereren Hinsehen für die Konkurrenz schnell als Legende erweisen. Zwar weist GM seit Jahren keine Einzelziffern mehr für den deutschen Autobauer aus. Der Verlust von einer Mrd. Dollar im dritten Quartal im Europageschäft wird jedoch seine Ursachen haben. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist sich sicher: "Das kann nicht allein von Saab kommen." Experten halten deshalb harte Schnitte für unabwendbar - mit oder ohne GM im Rücken.

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