Gesellschafter des Pharmakonzerns gehören zu den Hauptgeldgebern der neuen Wagniskapitalgesellschaft NGN
Boehringer-Eigner investieren in Biotech

Hoffnungsschimmer für die deutsche Biotech-Szene: Erstmals seit mehr als zwei Jahren geht in dem Sektor wieder ein großer Venture-Capital-Fonds an den Start, der maßgeblich von deutschen Investoren getragen wird. Zu den Hauptgeldgebern der neuen Gruppe NGN Capital gehören die Gesellschafter des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim.

FRANKFURT/M. Die NGN-Gruppe hat in einer ersten Finanzierungsrunde für ihren Fonds Biomed I rund 96 Mill. Dollar eingenommen, davon etwa die Hälfte von den Boehringer-Eignern. Die übrigen Mittel stammen überwiegend von US-Investoren. „Wir sind überzeugt, dass sich auf dem Gebiet der Biotechnologie attraktive Investitionsmöglichkeiten bieten“, sagte Christoph Boehringer auf einer Veranstaltung der Heidelberger Mediatum GmbH. Boehringer ist als Partner von Mediatum in der Personalberatung für Biotechfirmen aktiv. Er ist der Urenkel von Albert Boehringer, der das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim 1885 gegründet hat.

Der Konzern ist mit 7,4 Mrd. Euro Umsatz der führende deutsche Arzneihersteller und zugleich größtes Privatunternehmen der Pharmabranche. Boehringer ist als Produzent therapeutischer Proteine bereits stark in der Biotech engagiert. Anders als Konkurrenten wie Novartis, Bayer oder Johnson & Johnson hat der Ingelheimer Konzern allerdings keinen eigenen Risikokapital- Fonds für aufstrebende Biotechfirmen bereitgestellt.

NGN operiert völlig unabhängig von dem Pharmaunternehmen. Die neue Wagniskapitalgesellschaft mit Büros in New York und Heidelberg will schwerpunktmäßig in Unternehmen mit fortgeschrittenen Entwicklungsprojekten investieren. „In diesem Bereich stehen derzeit zu wenig Investitionsmittel bereit“, schätzt NGN-Partner Georg Nebgen. Darüber hinaus schließt NGN auch Engagements bei ausgewählten Start-up-Firmen nicht aus. Jeweils etwa 50 Prozent des Kapitals will NGN in Europa und den USA investieren.

Vertreter der Branche werten den neuen Fonds als positives Signal. Denn er kommt in einer Phase, in der deutsche und europäische Biotechfirmen finanziell deutlich gegenüber Konkurrenten aus den USA zurückgefallen sind. Besonders dramatisch ist die Lage in Deutschland, wo nach einer Erhebung der Unternehmensberatung Ernst & Young im Laufe der nächsten zwölf Monate mehr als die Hälfte aller Biotechfirmen frisches Kapital benötigt. Etablierte Venture-Capital- Fonds konzentrieren ihre Ressourcen meist auf relativ wenige, Erfolg versprechende Firmen.

Hintergrund ist unter anderem die zurückhaltende Anlagepolitik klassischer Kapitalgeber, die von schwachen Renditen und hohen Ausfällen abgeschreckt werden. „Deutsche Versicherungen und Banken stellen kaum noch Gelder bereit für Risikokapitalfonds“, beobachtet Horst Domdey, der Chef der Münchner Bio-M AG, die sich vor allem in der Anfangsfinanzierung von Biotechfirmen engagiert. US-Fonds sind zwar weiter üppig finanziert, konzentrieren sich aber auf das wieder boomende Geschäft im US- Markt. „Sie verabschieden sich derzeit eher aus Europa, als dass sie reinkommen“, sagt Andreas Wicki, Manager der Schweizer Finanzgruppe HBM Bioventures.

Die regionale Ungleichverteilung der Mittel ist zum Teil auch Resultat einer veränderten Invest- ment-Philosophie. „Der naive Glaube an die Wissenschaft ist bei vielen Investoren nicht mehr vorhanden“, sagt Jürgen Drews, Partner bei Bears Stearns Health Innoventures. Viele Kapitalgeber wenden sich daher von Technologiefirmen ab und konzentrieren sich auf Unternehmen mit konkreten Produktkandidaten. Deutsche Firmen liegen in dieser Hinsicht gegenüber der US- Konkurrenz deutlich zurück.

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