Gesundheitsmarkt in Entwicklungsländern
Start-Up profitiert von Entwicklungshilfe

Während die meisten Pharmaunternehmen dem Gesundheitsmarkt in den Entwicklungsländern eher zurückhaltend gegenüberstehen, hat die Biotechfirma Intercell sich auf einen besonderen Deal eingelassen und damit eine neue Finanzierungsquelle erschlossen.

FRANKFURT. Der Impfstoffentwickler Intercell hat sich eine neue Finanzierungsquelle für ein Forschungsprojekt erschlossen. Wie die österreichische Biotechfirma gestern bekannt gab, erhält sie von der gemeinnützigen US-Organisation Path mindestens 7,3 Mill. Dollar zur Entwicklung eines Vakzins gegen Lungenentzündung. Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen, in Entwicklungsländern eine für Kinder geeignete Version des späteren Impfstoffs zu einem geringen Preis zur Verfügung zu stellen.

Path hat sich die Verbesserung der medizinischen Versorgung in den Entwicklungsländern auf die Fahne geschrieben und wird seinerseits im von der Bill & Melinda Gates-Stiftung mit 75 Mill. Dollar unterstützt. Die Organisation fördert in Kooperation mit Pharma- und Biotechkonzernen auch Projekte zur Bekämpfung von Malaria und japanischer Hirnhautentzündung in Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem.

An Lungenentzündung sterben nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr rund 1,6 Millionen Menschen. In Gegenden mit hohen Kindersterblichkeitsraten sei die durch Pneumokokken ausgelöste Erkrankung die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren. Auch die WHO setzt sich daher für die Verbreitung von Impfstoffen in Entwicklungsländern ein. Da sich in den meisten Entwicklungsländern große Teile der Bevölkerung keine Medikamente und keinen Krankenhausbesuch leisten können, gelten Impfstoffe dort als wirksamstes Instrument zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Der Impfstoffkandidat von Intercell befindet sich den Angaben zufolge noch in einem frühen Forschungsstadium, in dem die Substanz noch nicht am Menschen getestet wird. Er soll zur Bekämpfung der meisten Erregerstämme geeignet seien, die neben Lungenentzündung auch Sepsis auslösen können.

Für Intercell dürfte sich die Vereinbarung lohnen, da sie die Vermarktungsrechte in den Industrieländern und für einen Wirkstoff für Erwachsene nicht berührt. Zudem hat Path dem Unternehmen die Möglichkeit weiterer Fördergelder nach dem Abschluss der laufenden Forschungsphase in Aussicht gestellt.

Intercell ist seit gut anderthalb Jahren an der Wiener Börse notiert. Obwohl das Unternehmen bislang noch über kein marktfähiges Produkt verfügt, hat sich der Aktienkurs seit dem Börsengang mehr als verdoppelt. Am Mittwoch legte der Kurs noch einmal um knapp drei Prozent auf 14,97 Euro zu.

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