Getränkeindustrie
Suntory greift nach Kultbrause Orangina

„Mach mal Süden“, mit diesem Slogan wirbt Orangina. Dabei wird es voraussichtlich Fernost: Der japanische Getränkeriese Suntory hat es auf die französische Kultbrause in der Knubbelflasche abgesehen. Ob es zu einer Übernahme kommt, entscheidet sich voraussichtlich noch in dieser Woche.

DÜSSELDORF. Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstag Übernahmegespräche zwischen den beiden Unternehmen. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, fällt aber voraussichtlich noch in dieser Woche, war aus dem Unternehmensumfeld zu vernehmen. Demnach wollen die Japaner mindestens die 2,6 Mrd. Dollar bezahlen, für die Orangina 2006 an die Finanzinvestoren Blackstone und Lion Capital wechselte. Blackstone wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Orangina beschäftigt weltweit 2 500 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr rund eine Mrd. Euro um. Das Unternehmen bündelt 23 Marken unter einem Dach, darunter Sportdrinks, Mineralwasser, und Säfte. Vor allem in Frankreich erfreut sich die 1951 gegründete Marke großer Beliebtheit.

Eine Übernahme der Zuckerbrause würde Suntory vor allem einen besseren Zugang zum europäischen Markt verschaffen, sagte Analyst Shigeo Kikuchi vom Brokerhaus Takagi Securities der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bislang ist der Umsatz in Europa minimal: Auf die Region entfällt nur 0,6 Prozent des Gesamtumsatzes von Suntory, der im vergangenen Jahr 1,5 Billionen Yen (11,2 Mrd. Euro) betrug. Zum Europageschäft von Suntory gehört die Weingüter Robert Weil aus dem Rheingau und Château Beychevelle aus Frankreich.

Es sei unausweichlich für die japanische Getränkeindustrie, sich auch in Übersee nach Chancen umzuschauen, sagt Kikuchi. Suntory verfolgt dieses Ziel schon seit längerem: Im vergangenen Jahr hatte Suntory bereits die neuseeländische Frucor Beverages von Danone gekauft. Der Preis lag bei rund 600 Mio. Euro.

Dabei gilt Suntory, bekannt für seine Biermarken „Malt’s“ und „Super Magnum Dry“ selbst als Übernahmekandidat. Noch ist der drittgrößte japanische Getränkekonzern zwar in privater Hand, führt aber bereits seit einigen Wochen Übernahmegespräche mit dem einheimischen, größeren Konkurrenten Kirin. Gemeinsam würden die Unternehmen, gemessen an einem Umsatz von 3,8 Billionen Yen (rund 29 Mrd. Euro), zum größten Getränkeproduzenten Japans aufsteigen – vor dem bisherigen Marktführer Asahi Brewery. Im Internationalen Geschäft würde den fusionierte Getränkekonzern Coca-Cola überholen und zu Pepsico und Kraft Foods aufschließen. Bei einer Fusion hätte allerdings die japanische Wettbewerbsaufsicht noch ein Wörtchen mitzureden: Zusammen würden die Unternehmen 50 Prozent des japanischen Biermarktes kontrollieren.

Sollte der Deal zwischen Orangina und Suntory realisiert werden, wäre das die zweite angekündigte Großfusion in der Konsumgüterindustrie innerhalb einer Woche. Erst am Montag hatte der US-Konzern Kraft Foods angekündigt, den Schokoladenspezialisten Cadbury für 17 Mrd. Euro übernehmen zu wollen.

Das britische Unternehmen, vormals Cadbury-Schweppes, hatte die Marke Orangina einst besessen, im Mai 2006 aber im Paket mit den Marken Appolinaris und Schweppes an das Investorenduo Blackstone und Lion Capital verkauft. Zugleich gliederte Cadbury seine Süßigkeiten- sparte und das US-Getränkegeschäft in eigenständige Unternehmen aus. Der Verkauf der Softdrinksparte brachte den Briten 1,85 Mrd. Euro in die Kasse.

Die Vertriebsrechte für Schweppes und Orangina in Deutschland und Österreich erwarb für eine stattliche Summe die Brauerei Krombacher. Wie aus Branchenkreisen verlautete, soll eine Einmalzahlung von rund 20 Mio. Euro an die Verkäufer Blackstone und Lion geflossen sein. Hinzu kommen die jährlichen Lizenzgebühren. Dafür hat Krombacher die Markenrechte ohne zeitliche Begrenzung erhalten. „Wir nehmen den internationalen Verkaufsprozess aus operativer Sicht zur Kenntnis, sind davon aber nicht betroffen“, sagte ein Sprecher.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin
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