Gewerkschaft will Vier-Jahres-Vertrag
US-Autobauern droht Arbeitskampf

Zum Auftakt der Tarifverhandlungen bei den größten US-Autoherstellern hat die Gewerkschaft UAW mit Streik gedroht. Die Arbeitnehmervertreter streben einen Vier-Jahres-Vertrag an. Dies teilte UAW-Chef Ron Gettelfinger am Montag zu Beginn der Verhandlungen mit Ford in Detroit mit. Die Konzerne hingegen müssen massiv sparen.

HB DETROIT. Die UAW führt seit Wochenbeginn neben Ford auch mit General Motors Gespräche, in denen die Autobauer auf Entlastungen bei den hohen Kosten für Gesundheitsvorsorge und Pensionen der Automobil-Arbeiter dringen. Auch Werkschließungen stehen für die Managementvertreter auf der Agenda. Bereits am Freitag hatten die Tarifgespräche bei Chrysler begonnen. Der 2003 geschlossene Tarifvertrag für die rund 180 000 Mitarbeiter der drei großen Autobauer aus Detroit läuft am 14. September aus.

Am Ford-Hauptquartier zeigte sich Gettelfinger am Montag wenig nachgiebig: Die Gewerkschaft habe bereits Zugeständnisse zur Sanierung von Ford gemacht, sagte er. Der UAW-Chef bezog sich damit auf eine Abfindungsvereinbarung mit dem Management aus dem Jahr 2005, das bereits zu Einsparungen bei den Gesundheitskosten für Ford-Ruheständler führte. Wie zuvor Gettelfinger schloss auch Ford-Vize Joe Laymon einen Streik nicht aus.

Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen die Forderungen der Firmen, Werke schließen zu dürfen sowie Entlastungen bei den immensen Kosten für Gesundheitsvorsorge und Pensionen der Automobil-Arbeiter. Besondere Aufmerksamkeit schenken Beobachter dabei der Idee eines so genannten Gesundheitsfonds. Der von den Gewerkschaften betriebene Fonds könnte GM finanziell Luft verschaffen. Ob dessen Etablierung gelingt, hängt Analysten zufolge davon ab, ob sich Arbeitnehmervertreter und Management auf die Bewältigung von Verbindlichkeiten von schätzungsweise 100 Mrd. Dollar einigen können.

Die drei großen US-Autobauer verlieren seit Jahren Marktanteile, vor allem gegenüber asiatischen Autobauern. So stehen die angeschlagenen Detroiter Riesen unter massiven Druck von Konkurrenten wie Toyota, Honda und Nissan, die vorwiegend Arbeiter beschäftigen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die US-Autobauer bezahlen ihren Fabrikarbeitern im Schnitt einen Stundenlohn von 73 Dollar, bei den drei japanischen Autobauern mit Niederlassungen in Nordamerika liegt dieser Lohn nur bei 44 Dollar. Den Großteil der Differenz machen die höheren Gesundheitskosten aus.

Die US-Autobauer klagen um so lauter über Kostennachteile gegenüber der Konkurrenz wegen der Sozialleistungen. Experten machen für die Schwäche aber auch eine verfehlte Modellpolitik der US-Firmen verantwortlich.

Der 2003 geschlossene Tarifvertrag für die rund 180 000 Mitarbeiter der drei großen Autobauer in Detroit läuft am 14. September aus.

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