Gläubigerbanken schnüren Kreditpaket
Refinanzierung von Heidelcement steht

Die Refinanzierung des hoch verschuldeten Baustoffkonzerns Heidelberg Cement ist nahezu perfekt. Nach Informationen aus Bankenkreisen haben sich die Gläubigerbanken auf ein neues Kreditpaket im Umfang von rund neun Milliarden Euro verständigt, das bis Ende 2011 laufen soll.

FRANKFURT. Mit den neuen Krediten kann der Baustoffkonzern Verbindlichkeiten ablösen, die im Laufe der nächsten eineinhalb Jahren fällig werden. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte dies gestern nicht kommentieren.

Nach Informationen aus Finanzkreisen fehlten am Mittwochabend nur noch einige wenige Unterschriften von den insgesamt 57 Gläubigerbanken des Konzerns. Koordiniert wurde die Refinanzierung von Commerzbank, Royal Bank of Scotland, Nordea und der Deutschen Bank. Beobachter gehen davon aus, dass diese vier Führungsbanken etwa 50 Prozent des Kredits auf die eigenen Bücher genommen haben.

Für die Refinanzierung muss Heidelberg Cement deutlich höhere Aufschläge gegenüber dem Interbankensatz (Euribor) zahlen als bisher. Die Rede ist von mehr als 400 Basispunkten, gegenüber bisherigen Aufschlägen von 50 bis 80 Punkten. "Das ist schweineteuer, aber letztlich marktgerecht", sagte ein Bankexperte. Hinzu kommen weitere Gebühren und Provision. Die gesamte Zinsbelastung des Konzerns dürfte sich durch die Refinanzierung allerdings nur moderat erhöhen, schätzt Kreditanalyst Jochen Schlachter von Unicredit. Denn Heidelcement kommt zugute, dass der Euribor in jüngerer Zeit wieder deutlich gesunken ist. Für 2008 hat Heidelberg Cement eine Zinsbelastung von 814 Mio. Euro ausgewiesen.

Der Baustoffkonzern, der mehrheitlich zur Merckle-Gruppe gehört, hatte sich vor allem durch die 14 Mrd. Euro teure Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson hoch verschuldet und war in jüngerer Zeit durch die Konjunkturkrise in Bedrängnis geraten. Ende März wies Heidelberg Cement noch Netto-Finanzschulden von insgesamt rund zwölf Mrd. Euro aus. Einen Teil der Verbindlichkeiten hofft der Konzern durch den Verkauf von Teilbereichen zu tilgen. Darüber hinaus ist er auf der Suche nach neuen Eigenkapitalgebern, was sich aber schwierig gestaltet.

Die Merckle-Gruppe, die bislang noch knapp 80 Prozent des Kapitals hält, fällt als Geldgeber aus, da sie ebenfalls hoch verschuldet ist. Merckle einigte sich vor wenigen Wochen mit den Banken auf eine Refinanzierung im Volumen von mehr als acht Mrd. Euro und musste sich dabei zum Verkauf wichtiger Beteiligungen, darunter der Pharmahersteller Ratiopharm, verpflichten. Auch von ihrem Heidelcement-Anteil wird sich die Gruppe voraussichtlich trennen müssen.

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