Gläubigerschutz beantragt
Verordnung zur Unterstützung von Parmalat erlassen

Die italienische Regierung hat als Reaktion auf den milliardenschweren Bilanzskandal beim Industriekonzern Parmalat eine Verordnung zur Restrukturierung großer Unternehmen erlassen, die von Insolvenz bedroht sind. Parmalat, das durch einen Finanzskandal am Rande des Ruins steht, will unterdessen Insolvenz und Gläubigerschutz beantragen. Damit könnte der Betrieb nach italienischem Recht zunächst weiter geführt werden.

HB ROM. Am Abend wollte sich auch der Parmalat-Verwaltungsrat treffen, um über die finanzielle Schieflage der achtgrößten italienischen Industriegruppe mit weltweit rund 35 000 Beschäftigten zu beraten. Es wurde damit gerechnet, dass das hoch verschuldete Unternehmen Gläubigerschutz anstreben wird, um einen Zusammenbruch zu verhindern.

Der neue Konzernchef Enrico Bondi übergab der Staatsanwaltschaft von Parma inzwischen eine umfassende Dokumentation zur dramatischen Finanzlage des Unternehmens, hieß es. In der Bilanz klafft ein Finanzloch von bis zu zehn Milliarden Euro.

Die Ermittler haben nach eigenen Angaben bereits einen groben Überblick über den Fall. So sei entdeckt worden, dass wichtige Dokumente einfach mit Scanner gefälscht worden seien, berichteten italienische Medien. Der bisherige Parmalat Finanzchef Fausto Tonna habe die Verantwortung für die Bilanzfälschungen zurückgewiesen. Für Dienstagabend war eine außerordentliche Sitzung des Parmalat- Vorstands vorgesehen. Die Parmalat-Aktie wurde an der Mailänder Börse in Erwartung einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens für den ganzen Tag vom Handel ausgesetzt. Am Montag war sie von 0,30 auf 0,11 Euro abgestürzt. Innerhalb von zwei Wochen hat die Aktie damit 93 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Auch das italienische Parlament will die Vorgänge untersuchen, die zum bisher spektakulärsten Finanzskandal in der italienischen Wirtschaftsgeschichte geführt haben. Die Regierung will verhindern, dass durch die Parmalat-Pleite tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Internationale Konzerne sollen unbestätigten Medienberichten zufolge an der Übernahme einzelner Firmen des Parmalat-Konzerns interessiert sein. Parmalat beschäftigt in 30 Ländern insgesamt 36 000 Menschen.

Der Finanzskandal war am vergangenen Freitag bekannt geworden. Die Bank of America teilte mit, dass ein Konto mit rund vier Milliarden Euro, das die Parmalat-Tochter Bonlat in der Bilanz angegeben hatte, nicht existierte. Die Ermittler gehen davon aus, dass weitere Milliardenbeträge, die in der Bilanz erscheinen, in Wahrheit nicht vorhanden sind.

Bilanztricks und Fälschungen seien bei Parmalat bereits seit Ende der 80er Jahre angewendet worden, berichtete die Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf die Justiz. Gegen den Gründer und ehemaligen Parmalat-Präsidenten Calisto Tanzi sind ebenso Ermittlungen eingeleitet worden wie gegen rund 20 weitere Personen. Tanzi war erst am Montag der Vorwoche zurückgetreten, nachdem die finanzielle Schieflage des Unternehmens ruchbar geworden war.

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