Gläubigerversammlung des insolventen Fotokonzerns entscheidet womöglich schon heute über den Verkauf
Traditionsfirma Agfa droht Zerschlagung

Dem Leverkusener Traditionsunternehmen Agfa Photo droht heute der Einstieg in die Zerschlagung. Vor dem Kölner Amtsgericht werden die Gläubiger des insolventen Fotokonzerns möglicherweise bereits am Morgen einen von zwei Bietern als Käufer bestimmen.

DÜSSELDORF. Doch ganz gleich, wie die Abstimmung ausgeht: Die Fortführung des Gesamtkonzerns ist mehr als unwahrscheinlich, denn beide potenziellen Aufkäufer sind mittelfristig nur an einem Teil von Agfa Photo interessiert.

Mitte August 2004 hatte die belgische Agfa-Gevaert ihr defizitäres Fotogeschäft für 112 Mill. Euro an eine Investorengemeinschaft um Hartmut Emans verkauft. Doch der Trend zur digitalen Fotografie setzte dem traditionellen Fotopapiergeschäft weitaus härter zu als erwartet. Schon nach wenigen Monaten waren sowohl das Eigenkapital von 300 Mill. Euro als auch die Barreserven von 72 Mill. Euro aufgezehrt. Wegen Zahlungsunfähigkeit stellte die Agfa Photo GmbH am 20. Mai den Antrag auf ein Insolvenzverfahren, das im August eröffnet wurde. Ein Anfangsverdacht der Kölner Staatsanwaltschaft, dass die Erwerber über ihre Agfa Photo Holding Gelder illegal abgezweigt haben könnten, bestätigte sich nicht.

Wie es nun im Unternehmen heißt, bietet sowohl der britische Fotoautomatenbetreiber Photo Me für Agfa Photo als auch der von der Private-Equity-Firma Cerberus unterstützte Agfa-Manager Jörk Hebenstreit. Beide wollen angeblich zunächst das gesamte Geschäft von Agfa Photo übernehmen, verfolgen aber unterschiedliche Strategien. Die Briten sollen vor allem an der Fotopapier- und Filmsparte Interesse zeigen, wodurch die meisten Jobs am Hauptstandort Leverkusen gerettet werden könnten. Die Gruppe um Hebenstreit dagegen will den Schwerpunkt auf die Laborgerätesparte von Agfa Photo legen. In diesem Falle blieben die Arbeitsplätze in München und im bayerischen Peiting erhalten. Für welche Lösung sich die Mitarbeiter in der Gläubigerversammlung aussprechen werden, ist ungewiss. „Die Belegschaft ist gespalten“, sagt Frank Löllgen, Bezirksleiter der IG Bergbau, Chemie, Energie und Aufsichtsratsmitglied der Agfa Photo GmbH. So votieren die Werke für Laborgeräte für Hebenstreit und die Fotopapier-Standorte für Photo Me.

Zu erwarten ist deshalb, dass am Ende der Pensionssicherungsverein (PSV) den Käufer bestimmen wird. Der PSV ist noch vor den Lieferanten und der Bundesagentur für Arbeit Hauptgläubiger von Agfa Photo. Banken sind dagegen nicht nennenswert vertreten. Zu Forderungshöhen hielt sich Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier bislang bedeckt.

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