GM bestätigt
Dreikampf um Übernahme von Opel

Der Bieterwettbewerb um Opel geht in die Endrunde. Die Europazentrale des Opel-Mutterkonzerns General Motors bestätigte am Abend: Drei Investoren haben an Opel Interesse. Neben den Favoriten RHJ International und Magna auch der chinesische Autohersteller BAIC. Eine Entscheidung im Bieterkampf wird für frühestens Ende der Woche erwartet. RHJ hatte zuletzt deutlich aufgeholt.

FRANKFURT/BERLIN. Wie die Europazentrale des Opel-Mutterkonzerns General Motors Montagabend in Zürich bestätigte, haben die beiden favorisierten Interessenten, der Finanzinvestor RHJ International und der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna, ihre endgültigen Offerten rechtzeitig vor Ablauf der Bieterfrist am gestrigen Nachmittag bei GM eingereicht. Auch der chinesische Autohersteller BAIC hat, entgegen mancher Erwartungen, nach GM-Angaben einen unterschriftsreifen Vertragsentwurf abgegeben. GM will die Entwürfe ab heute prüfen und bewerten.

Das Rennen um Opel geht damit auf die Zielgerade. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen könnte frühestens Ende dieser Woche eine Entscheidung fallen.

Die Offerten werden laut Regierungssprecher Ulrich Wilhelm parallel der Bundesregierung vorgelegt. "Wir werden dann in den nächsten Tagen die Angebote bewerten und gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden", sagte er. Dabei werde die Regierung einen engen Kontakt zu GM Europe und der Opel-Treuhand halten, die im Moment 65 Prozent der Anteile am Rüsselsheimer Autobauer hält.

Wegen der von allen drei Bietern angestrebten Staatsgarantien können GM und die Opel-Treuhand den Autobauer nicht ohne Zustimmung der Bundesregierung und der Landesregierungen mit Opel-Standorten an einen Investor verkaufen.

Der Aufsichtsrat von Magna hatte zuvor grünes Licht für ein neues, überarbeitetes Konzept gegeben. Dabei hat der austro-kanadische Zulieferer offenbar nochmal wesentliche Punkte seiner Pläne geändert. So will der Zulieferer nach dem aktuellen Konzept einen deutlich höheren Anteil an Opel übernehmen als bisher gedacht.

Der Zulieferer und sein russischer Partner Sberbank wollen demnach künftig jeweils 27,5 Prozent an Opel halten. Bisher hatten die beiden Partner geplant, dass Magna lediglich 20 Prozent und die russische Bank 35 Prozent an dem Unternehmen aus Rüsselsheim übernimmt.

Um mögliche Konflikte mit seinen Kunden zu vermeiden, will Magna zudem die Führung der New Opel und des Zulieferers strikt personell trennen. So dürfen Manager, die in operativer Funktion beim Autohersteller tätig sind, nicht gleichzeitig Aufgaben bei Magna International wahrnehmen.

Magna pocht aber darauf, dass es in Zukunft auch eine klare Grenzziehung zwischen GM und Opel geben müsse. Das neue Unternehmen müsse selbstständig entscheiden können, mit wem es kooperiere und wo es seine Fahrzeuge entwickle, heißt es in Verhandlungskreisen. Die neue Opel-Gesellschaft dürfe nicht der verlängerte Arm des bisherigen Mutterkonzerns aus Detroit sein, hieß es. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz äußerte am Montag in einem Brief an den europäischen Opel-Betriebsrat noch einmal Zweifel an dem Angebot von RHJ.

RHJ hatte zuletzt im Bieterwettkampf um Opel deutlich aufgeholt. Magna hatte sich zwar bereits Ende Mai mit GM in einem Memorandum of Understanding auf eine Opel-Übernahme verständigt. Da die Vereinbarung aber rechtlich unverbindlich ist, spricht General Motors seitdem auch mit anderen Interessenten.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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