Goldgräberstimmung
Internationale Brauriesen suchen Glück in Sibirien

Zur Zeit der russischen Zaren galt das unwirtliche Sibirien als gefürchteter Verbannungsort – heute hoffen internationale Konzerne auf Wachstum in dem rohstoffreichen Landesteil. Und dabei sind es nicht nur Rohstoffkonzerne, die ihr Glück in Sibirien suchen.

MOSKAU. Auch die in Russland tätigen internationalen Braukonzerne weiten ihre Aktivitäten stetig Richtung Osten aus. „Unsere neue Brauerei in Angarsk ist bereits im Bau wird im vierten Quartal 2007 das erste Bier produzieren“, bestätigte Alain Beyens, Zentral- und Osteuropa-Präsident des weltgrößten Braukonzerns Inbev in Moskau.

Während die Regionen um St. Petersburg und Moskau beim Pro-Kopf-Konsum von Bier mit jährlich rund 87 Litern schon fast das Niveau des gesättigten deutschen Marktes erreichen, rechnet der multinationale Brauriese vor allem in den wirtschaftlichen Wachstumszonen West- und Ostsibiriens auf neue Kundschaft. Denn ähnlich wie in den Metropolen westlich des Urals, entstehen auch im Osten des Landes neue Zentren mit einer kaufkräftigen Mittelschicht. Diese Bevölkerungsgruppe gibt nicht zuletzt wegen eines steigenden Gesundheitsbewusstseins dem Gerstensaft den eindeutigen Vorzug vor dem bisherigen Nationalgetränk, dem Wodka.

Mit der neuen Brauerei und dem angeschlossenen Distributionszentrum in Angarsk bei Irkutsk erweitert Inbev sein Vertriebsgebiet rund 2 000 Kilometer Richtung Osten und hat damit fast schon die Pazifikküste der Russischen Föderation erreicht. Über elf Zeitzonen und mehr als 10 000 Kilometer hinweg liefert der belgisch-brasilianische Weltmarktführer dann ein umfangreiches Markenportfolio. Denn auch ausländische Top-Konzernmarken wie „Beck’s“, „Stella Artois“ und „Brahma“ sind bei den russischen Biertrinkern begehrt. Sie werden aber ebenfalls im Lande gebraut, da Bierimporte in Russland mit hohen Zöllen belegt sind.

Ausländische Premiumprodukte finden in einem differenzierten russischen Biermarkt inzwischen ebenso ihre Käufer wie heimische Kernmarken aus dem Hause Inbev wie „Klinskoe“ oder „Sibirskaya Corona“. Der Umsatzanteil von „Super-Premium-Bieren“ mit heimischen Marken wie „Tinkoff“ oder Lizenzbieren wie „Löwenbräu“ oder „Staropramen“ legte in den letzten zwei Jahren gar von vier auf sieben Prozent zu.

Auch die dänische Carlsberg-Gruppe rechnet für ihre in Russland als Premium geltende deutschen Marke „Holsten“ im laufenden Jahr mit einem weit über 600 000 Hektolitern liegenden Absatz, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte. Ansonsten freue man sich in Kopenhagen weiterhin über die Marktführerschaft in Russland mit der Baltic Beverages Holding (BBH), einem Gemeinschaftsunternehmen von Carlsberg und Scottish & Newcastle.

Wie hoch die Steigerungsraten in Russland am Ende des Geschäftsjahres schließlich liegen werden, wagt kein Brau-Manager zu prognostizieren. „Wer Voraussagen über eine Periode von drei Monaten hinaus wagt, gilt in Russland schon als Held“, sagt Inbev-Vorstand Beyens.

Nach dem letzten Inbev-Halbjahresbericht liegt die Region „Zentral- und Osteuropa“ mit 51 Mill. Euro Nettogewinn klar vor Westeuropa, wo der Brauriese von Januar bis Juni mit 1,7 Mrd. Euro zwar einen doppelt so hohen Umsatz, aber nur einen Profit von 21 Mill. Euro erzielte.

Auch an Innovationskraft hat die russische Inbev-Tochter Sun Interbrew Russia inzwischen zugelegt. So ist die belgische Biermarke „Stella Artois“ dort in einer goldfarbenen Aluminiumflasche der Renner unter den Premiumprodukten des russischen Getränkehandels. Pet-Kunststoffflaschen finden hingegen vor allem bei den preiswerteren russischen Konsumbieren Verwendung. Für den, „der nicht genug bekommen kann“, so der russische Werbe-Slogan, liefert der Braukonzern Bier der Marken „Tolstyak“ und „Bagbier“ jetzt in Fünf-Liter-Pet-Kanistern.

Dass die Zukunft der internationalen Brauer in Russland vor allem im noch entwicklungsfähigen Osten des Landes liegt, davon ist auch Heineken überzeugt: Vor knapp einem Jahr kauften die Niederländer die Baikal Beer Company im sibirischen Irkutsk. Dort liegt der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Konsum von Bier noch deutlich unter der ausbaufähigen 50-Liter-Marke.

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