Griechischer Investor greift nach Aktienpaket der Betreibergesellschaft
Hochtief bangt um Einfluss am Flughafen Athen

Ein erbitterter Streit um die Beteiligungsverhältnisse an der Athens International Airport S.A. (AIA) droht die Flughafengesellschaft zu lähmen und gefährdet den für 2006 geplanten Börsengang des Unternehmens. Ein griechischer Investor greift nach einem kleinen, aber entscheidenden Aktienpaket der AIA. Der deutsche Anteilseigner und Flughafenbetreiber Hochtief befürchtet, dass damit der Konzessionsvertrag unterlaufen wird.

HB ATHEN. Die Kontroverse bringt ein Prestigeprojekt ins Zwielicht. Der im März 2001 nach vierjähriger Bauzeit eröffnete Flughafen galt über Griechenland hinaus als gelungenes Bei-spiel einer Public Private Partnership (PPP). An der AIA hielten anfangs der griechische Staat 55 Prozent und ein privates Konsortium unter Führung des Essener Baukonzerns Hochtief 45 Prozent. Davon lagen fünf Prozent bei der ABB Calor Emag Mittelspannung GmbH, die inzwischen im ABB-Konzern aufgegangen ist. 2003 verkaufte ABB seinen Fünf-Prozent-Anteil an die griechische Horizon Air Services – rechtswidrig, wie Hochtief argumentiert, weil die vertraglich vorgeschriebene Zustimmung der anderen Gesellschafter nicht eingeholt wurde.

Der von Hochtief als Schlichter angerufene London Court of International Arbitration (LCIA) annullierte am 18. Juli 2005 den Aktientransfer und ordnete an, Horizon wieder aus dem Aktionärsregister zu streichen. Dem kam der AIA-Aufsichtsrat vergangene Woche nach. Damit sind die früheren Mehrheitsverhältnisse wiederhergestellt. Horizon versuchte vergeblich, die Rückübertragung des Aktienpakets an ABB mit einer Einstweiligen Verfügung zu blockieren. Das Unternehmen will sich aber nicht geschlagen geben sondern nun „alle verfügbaren Rechtsmittel ausschöpfen“.

Mit einer Beteiligung von Horizon an der AIA würden sich die Mehrheitsverhältnisse bei der Flughafengesellschaft fundamental ändern – und zwar zum Nachteil von Hochtief. Das 1995 zwischen dem griechischen Staat und den privaten Investoren geschlossene Airport Development Agreement (ADA) gibt Hochtief eine bis 2026 laufende Konzession zum Betrieb des Flughafens und bestimmt, dass für alle bedeutenden Entscheidungen eine Mehrheit von 60 Prozent der Anteilseigner erforderlich ist. Wichtige Fragen können nicht gegen die privaten Gesellschafter entschieden werden.

Ob es nach einem Verkauf der ABB-Anteile dabei bleiben würde, ist fraglich. Schlägt sich der neue Anteilseigner nämlich auf die Seite des griechischen Staates, hätte dieser die entscheidende Stimmenmehrheit von 60 Prozent. Nach Informationen des Handelsblatts liegt dem griechischen Verkehrsminister Michalis Liapis ein von interessierter Seite verfasstes „Nonpaper“ vor, das ein solches Angebot enthält. „Damit würde der Konzessionsvertrag unterlaufen“, sagt Reinhard Kalenda, CEO der Hochtief Airport GmbH und AIA-Aufsichtsrat.

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