Großanlage in Sachsen
Shell lässt sich Synthese-Sprit Millionen kosten

Der Mineralölkonzern Shell steigt in großem Stil in das Geschäft mit Kraftstoffen aus Biomasse ein: Shell Deutschland hat Anteile an dem sächsischen Unternehmen Choren in Freiberg erworben, dass das wohl vielversprechendste Verfahren dazu entwickelt hat.

HB HAMBURG/FREIBERG. Gemeinsam wollen Shell und Choren bis 2007 für 50 Millionen Euro in Freiberg eine größere Versuchsanlage errichten, die aus Biomasse 15000 Tonnen Treibstoff jährlich erzeugen kann. Shell übernimmt die Vermarktung der gesamten Jahresproduktion. Choren-Chef Tom Blades sagte, als nächster Schritt sei eine Anlage mit 200000 Tonnen Jahreskapazität auf dem Gelände des stillgelegten DDR-Kernkraftwerkes in Lubmin bei Greifswald geplant. Bisher läuft in Freiberg eine kleinere Testanlage, die mehrer hundert Liter synthetischen Treibstoff pro Tag produziert.

Choren hat eine Technik entwickelt, um aus landwirtschaftlichen Abfällen, Holz oder anderen organischen Stoffen synthetischen Dieselkraftstoff zu entwickeln. Dabei wird - anders als beim bereits etablierten Bio-Diesel - das gesamte Material eingesetzt und nicht nur die Früchte. Dadurch ist der Ertrag eines Rapsfeldes bei der Erzeugung von synthetischem Diesel rund vier Mal höher als bei Bio-Diesel. Bei der Verbrennung des so genannten "SunFuels" entsteht die gleiche Menge Kohlendioxid, die die Pflanzen im Wachstum absorbiert hatten.

Das Projekt ist aus dem früheren Deutschen Brennstoff-Institut der DDR hervorgegangen, dessen technischer Direktor Bodo Wolf sich nach der Wende selbstständig machte und die Technik verfeinerte. Die Autobauer Daimler-Chrysler und Volkswagen haben Flottentests mit dem neuartigen Diesel angestellt und bescheinigen der klaren Flüssigkeit problemlose Verbrennung im Motor. Daimler-Chrysler kündigte an, seine Neuwagen im Werk vor der Auslieferung mit "Sunfuel" zu betanken, sobald genug von dem Stoff zur Verfügung stehe.

Laut Choren-Chef Blades soll der künstliche Diesel zu marktfähigen Preisen hergestellt werden. Allerdings ist das Produkt von der Mineralölsteuer befreit. Diesel aus Öl kostet ohne Steuern zur Zeit rund 40 Cent, dazu kommen 47 Cent Mineralölsteuer. Das bedeutet, Sunfuel könnte für etwa 90 Cent pro Liter plus Mehrwertsteurer abgegeben werden. Allerdings setzen die Partner bei der Kalkulation auf weiterhin hohe Ölpreise und eine weitere Förderung durch die Politik. Shell nannte als preisliche Orientierungsgröße sein Produkt V-Power Diesel. Das Produkt ist rund 10 Cent teurer als normaler Diesel und kostet im Durchschnitt zur Zeit rund 1,22 Euro pro Liter.

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