Grundsatz über neue Führungsstruktur
EADS-Doppelspitze wackelt

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erhält eine neue Führungsstruktur. Darauf haben sich Deutschland und Frankreich grundsätzlich verständigt. Die bisherige Doppelspitze dürfte einer neuen Regelung weichen. Und auch in der bislang strittigen Frage der künftigen Kapitalstruktur scheint es eine Annäherung zu geben.

rut/ali/ink/mwb BERLIN/PARIS. „Das Unternehmen muss nach Regeln funktionieren, die auch für alle anderen großen europäischen Unternehmen gelten“, sagte Frankreichs Premierminister François Fillon nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Berlin. „Wir müssen sehen, dass wir zu effizienteren Strukturen kommen“, bestätigte Merkel.

Bislang ist in einem Aktionärspakt zwischen Frankreich und Deutschland festgelegt, dass die wichtigsten Führungsebenen des Konzerns doppelt besetzt sind. Künftig könnte EADS die deutsch-französische Doppelspitze abschaffen. Stattdessen werden Deutschland und Frankreich wahrscheinlich jeweils den Aufsichtsrats- und den Vorstandschef des Unternehmens stellen. „EADS muss zu einer normalen Führung finden“, sagte der französische Europastaatssekretär Jean-Pierre Jouyet dem Handelsblatt. „Es gibt Unternehmen mit einem Aufsichtsratschef und einem Vorstandsvorsitzenden. Wenn wir die Doppelspitze in diesem Sinne verstehen, kann sie weiter existieren. Aber die Doubletten auf allen Hierarchieebenen des Unternehmens dürfen nicht bleiben“, sagte Jouyet. Eine Lösung könnte somit sein, den Vorstands- und den Aufsichtsratsvorsitz zwischen Deutschland und Frankreich aufzuteilen. Das sichert ähnlichen Einfluss auf das operative Geschäft, weil EADS in den Niederlanden registriert ist. Nach dem dortigen Recht hat der Aufsichtsrat größeren und der Vorstandschef kleineren Einfluss als nach dem deutschen Modell.

Der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU), hatte bereits im März signalisiert, Änderungen an der Doppelspitze seien für ihn denkbar, wenn insgesamt ein Gleichgewicht beider Länder erhalten bleibe. Er halte es für möglich, die bisherige „horizontale Doppelstruktur durch eine vertikale“ zu ersetzen. Großaktionär Daimler-Chrysler äußerte sich gestern nicht zu einer möglichen Abschaffung des Spitzenduos. So etwas werde zuerst in den Gremien und nicht in der Öffentlichkeit besprochen.

Kanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy kommen am 16. Juli am Airbus-Standort Toulouse zusammen, um abschließend über die neue Führungsstruktur zu beraten. Aus französischer Sicht sei eine Einigung „extrem wichtig“, sagte Staatssekretär Jouyet. EADS sei „ein Symbol für die deutsch-französische Zusammenarbeit und für den Erfolg Europas“Frankreichs neuer Staatspräsident Sarkozy hatte seit seinem Amtsantritt Mitte Mai wiederholt gefordert, aus EADS ein „normales Unternehmen“ zu machen.

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