Guy Wyser-Pratte
Die Parabel vom eisernen Hufnagel

US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte ist das Schreckgespenst deutscher Unternehmen. Warum, hat er zuletzt beim Maschinenbau-Konglomerat IWKA gezeigt. Doch beim Verkehrstechnikkonzern Vossloh, bei dem er vor kurzem eingestiegen ist, dürfte sein Krawall-Konzept nicht aufgehen. Ein Handelsblatt-Report.

WERDOHL. Diese Geschichte handelt von Schwingungen. Und sie erzählt davon, wie man sie aushält. Man könnte diese Geschichte auch die Parabel vom eisernen Hufnagel nennen, der, wenn man ihn zu einer Spirale formt, Erschütterungen in sich aufnimmt, abfedert und verhindert, dass sich all das, was er zusammenhält, auflöst.

Guy Wyser-Pratte ist Amerikaner, ein Firmenjäger, ein kühler Investor. Er ist einer, der bewusst Schwingungen erzeugt, wenn er sich in ein Unternehmen einkauft. Wenn er, der Vietnam-Veteran, Aktionäre auf Hauptversammlungen mit dem Satz unruhig macht: „Wacht auf und riecht Napalm.“ Billig einsteigen, Unruhe stiften, teuer verkaufen – das ist sein Geschäftsmodell.

Vor kurzem hat dieser Wyser-Pratte Anteile des in Turbulenzen geratenen Verkehrstechnikkonzerns Vossloh im sauerländischen Werdohl erworben. Seither rätseln viele: Wie kam der Amerikaner gerade auf die Vossloh AG? Was will er dort? Und: Was bedeutet sein Einstieg für das Unternehmen?

Morgen nun will der neue Vossloh-Vorstandsvorsitzende Gerhard Eschenröder intern dem Aufsichtsrat erklären, wie er auf diese Schwingungen reagieren will. Zu hören ist, dass Eschenröder künftig womöglich auf Schienenklemmen und Gleisbau setzt und sich von der Lokomotivensparte trennen möchte – neue Zukäufe im verbleibenden Kerngeschäft nicht ausgeschlossen.

Einiges deutet also darauf hin, dass auch er Bewegung will, aber nicht von außen – und dass die Familie Vossloh, die rund 30 Prozent der Anteile am Konzern hält, der eiserne Hufnagel in diesem Machtgeflecht ist.

Beginnen wir im Jahr 1883. Damals entdeckt der Werdohler Schmied Eduard Vossloh, dass einer dieser länglichen Nägel, die er normalerweise in Pferdehufe schlägt, als ideale Befestigung taugt. Durch eine spiralförmige Biegung kann der Nagel besonders gut Fliehkräfte aushalten. Vossloh macht ein Geschäft daraus, und fortan rattert die Königlich Preußische Eisenbahn sicher durch die Lande, weil die Schienen mit Vosslohs Federringen an den Bahnschwellen befestigt sind. Das war vor 123 Jahren und eine lukrative Idee. Heute kommen rund 80 Prozent aller in Deutschland verwendeten Schienenklemmen von dem in vierter Generation betriebenen Konzern. Vier Millionen Klemmen jährlich werden im Werk in Werdohl aus Stahl gebogen und in die Welt transportiert: blank poliert, mit schwarzer Lackierung oder – auf Wunsch der Schweizer – sogar in grüner Farbe.

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