Hamburger Modeschöpferin verlässt das Unternehmen erneut im Streit
Abschied von Jil Sander stürzt Prada-Tochter in eine schwere Krise

Das Hamburger Modeimperium Jil Sander ist in eine schwere Krise geraten: Die Firmengründerin verlässt zum zweiten Mal die Hamburger Tochterfirma des Mailänder Prada-Konzerns. Damit verliert das Modehaus nach eineinhalb Jahren einen der wichtigsten Hoffungsträger.

HAMBURG. Erst im Mai 2003 hatte Prada-Chef Patrizio Bertelli Deutschlands bekannteste Designerin in das Unternehmen zurückgeholt. Damit wollte Bertelli den jahrelangen Umsatzrückgang und die hohen Verluste des Unternehmens stoppen. Die neuen Kollektionen der Modeschöpferin trugen erste Früchte. So kletterte der Umsatz im ersten Halbjahr 2004 um 4 Prozent auf 65,4 Mill. Euro. Doch die Verluste sanken nur unwesentlich. Der Fehlbetrag lag bei 17 Mill. Euro, verglichen mit einem um „außerordentliche Einflüsse“ bereinigten Minus von 20 Mill. Euro.

Nun hat der Prada-Chef die Notbremse gezogen. Er beendete die Kooperation mit Jil Sander als Designerin einvernehmlich. Doch in Firmenkreisen des Hamburger Modeimperiums heißt es, das sich Bertelli und die Modeschöpferin nach einem heftigen Streit um das künftige Firmenkonzept getrennt haben sollen.

Das Verhältnis zwischen der Couturierin und dem Italiener galt seit Jahren als gespannt. 1999 hatte die „Queen of Less“ die von ihr gegründete Firma mehrheitlich an den Prada-Konzern für rund 100 Mill. Euro verkauft. Doch bereits einige Monaten später musste sie als Vorstandschefin ihren Hut nehmen. Grund dafür waren damals heftige Differenzen zwischen Bertelli und Jil Sander. Immer häufiger hatte sich der als impulsiv geltende Prada- Chef in das operative Geschäft eingemischt und der Modeschöpferin seine Vorstellungen über die künftige Modelinie aufgezwungen.

Die jetzige Trennung hatte sich bereits seit einigen Monaten angedeutet. Bereits auf der vergangenen Hauptversammlung am 29. Juli war die Modeschöpferin nicht erschienen. Dies hatte viele Aktionären erzürnt. Der Vorstand hatte ihr hingegen damals noch den Rücken gestärkt: Jil Sander sei im Terminstress. Sie arbeite an ihrer neuen Kollektion und könne nicht kommen, hieß es. Der Aktienkurs der Vorzüge sank gestern um 3 Prozent auf 325 Euro.

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