Hartz: Vorgelegte Vorschläge müssen reichen
IG Metall fordert von VW Ende der dogmatischen Haltung

Im Tarifkonflikt bei VW schlagen beide Seiten schärfere Töne an. Die IG Metall droht schon mit Urabstimmung und Streik, VW-Vorstand Hartz beharrt auf dem vorgelegten Plan.

HB BERLIN. Im Tarifstreit beim Autokonzern Volkswagen hat der Verhandlungsführer der IG Metall, Hartmut Meine, «zur Mäßigung» aufgerufen. In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» forderte Meine VW erneut zu einer Lockerung der eigenen Position auf. «Ich erwarte, dass das Unternehmen uns entgegenkommt», sagte Meine, wie die Zeitung am Samstag vorab berichtete.

In der für Montag anberaumten sechsten Verhandlungsrunde müssten «wichtige Weichenstellungen» erfolgen, sonst könnte die Große Tarifkommission noch am selben Tag das Scheitern der Tarifverhandlungen bei der IG-Metall-Zentrale beantragen, erläuterte Meine. Unmittelbar danach würden dann die Vorbereitungen für Urabstimmung und Streik beginnen. «Anfang November muss ein Ergebnis erzielt werden. Es rumort in der Belegschaft.»

VW müsse die bisherige dogmatischen Position aufgeben, forderte Meine. «Ich glaube nicht, dass Volkswagen das durchhält. Langsam wird es auch für den Vorstand unbequem.» Die IG Metall verfolge die Strategie «Druck aufbauen und gleichzeitig verhandeln». Für Montag hat die Gewerkschaft eine Ausweitung der Warnstreiks angekündigt. Die Arbeitnehmer in den westdeutschen VW-Werken würden gestaffelt die Arbeit niederlegen, so Meine.

Derweil bekräftigte VW-Personalvorstand Peter Hartz seine Drohung eines Stellenabbaus. «Wenn wir unser Konzept nicht umsetzen können, geht die Zahl der Arbeitsplätze bei Volkswagen in Deutschland in den kommenden Jahren dramatisch zurück», sagte Hartz der «Welt am Sonntag», wie das Blatt am Samstag vorab meldete. Weil der Gesamtkonzern durch seine Werke in Osteuropa nach wie vor schwarze Zahlen schreibe, seien zwar betriebsbedingte Kündigungen kein Thema. Das Unternehmen könne aber Personal abbauen, indem es frei werdende Stellen nicht neu besetzt.

Hartz rief die IG Metall zur Problemlösung am Verhandlungstisch auf, «anstatt auf Eskalation zu setzen». Streiks schadeten der Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen. Der Personalvorstand beharrt auf dem vorgelegten Sieben-Punkte-Plan der Konzernführung. Mehr als die darin gebündelten Vorschläge könne das Management nicht machen. Der Plan bedeute angesichts der Konjunkturlage einen «Kraftakt» für VW.

Der Konzern will die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro senken. Der Plan des Unternehmens sieht unter anderem eine zweijährige Nullrunde und niedrigere Einstiegsgehälter vor. Dafür verspricht der Konzern, hier zu Lande keine Jobs abzubauen. Die IG Metall bot an, sich mit Einkommenssteigerungen in Höhe der Tarifvereinbarungen der Metallindustrie zufrieden zu geben und einer Flexibilisierung der Arbeitszeit zuzustimmen. Am Donnerstag waren die Tarifverhandlungen ergebnislos auf Montag vertagt worden. In der Nacht zu Freitag begannen nach Ablauf der Friedenspflicht erste Warnstreiks.

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