Hat Wiedeking Ambitionen auf AR-Vorsitz?
VW steht vor massiver Sanierung

Volkswagen- Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh bereitet die Beschäftigten auf längere Arbeitszeiten und gravierende Sanierungsschritte vor. Er dementierte jedoch Medienberichte, wonach es Pläne gebe, das Stammwerk in Wolfsburg durch eine Verlagerung der Produktion des erfolgreichen Audi A3 nach Niedersachsen besser auszulasten.

HB FRANKFURT/HAMBURG. „Wenn es um eine Verlängerung der Arbeitszeit gehen sollte, dann wird sich keiner von euch im Interesse der gemeinsamen Zukunftssicherung verschließen. Aber nicht ohne Gegenleistung und schon gar nicht, wenn andere dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren“, schreibt Osterloh in einem am Wochenende bekannt gewordenen Brief an die Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Bei VW wird derzeit an vier Tagen pro Woche 28,8 Stunden gearbeitet. Der Vorstand will die Arbeitszeiten offenbar bis auf 35 Stunden verlängern, um die Ertragsprobleme bei der Kernmarke zu lösen.

Osterloh räumt in dem Brief „erheblichen Handlungsbedarf“ ein, „damit dieser Konzern nachhaltig wettbewerbsfähig wird“. Das Ziel einer Verbesserung von Qualität, Kosten und Vertrieb sei unstrittig, auch den Mitarbeitern sei aus eigenem Erleben „klar, dass bei Volkswagen auf jeden Fall etwas passieren muss“. Dies dürfe aber nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen, mahnte er. VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hatte davon gesprochen, dass 20.000 der rund 100.000 Mitarbeiter in den westdeutschen Werken von den Einschnitten betroffen sein würden, den Umfang von Stellenstreichungen aber offen gelassen.

In der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe) dementierte Betriebsratschef Osterloh, der auch dem Aufsichtsrat von VW angehört, Medienberichte über eine Produktion des Audi A3 im VW-Kernwerk. „Der Audi A3 wird definitiv nicht im Wolfsburger Volkswagenwerk gefertigt“, sagte er laut einer Vorabmeldung vom Sonntag. Die Branchenzeitung „Automobilwoche“ und das Magazin „Der Spiegel“ hatten übereinstimmend berichtet, VW wolle mit dem Audi A3 das eigene Werk besser auslasten, weil der dort auf der selben Plattform entwickelte VW Golf nach dem Modellwechsel 2008 ein Fünftel schneller produziert werden soll. Der Aufsichtsrat habe einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt.

„Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über unsere Werke“, hatte ein VW-Sprecher dazu gesagt. Auch Audi wollte nicht Stellung nehmen. Der Audi A3 wird seit Januar nur noch in Ingolstadt gebaut, die Produktion ist voll ausgelastet.

Pischetsrieder hatte auch nach der Aufsichtsratsklausur noch keine konkreten Sanierungsschritte genannt. Dort sollte er seine Pläne präsentieren. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte unter anderem alle Komponentenwerke in Deutschland auf den Prüfstand gestellt. Den Berichten zufolge will VW nun die Fertigung von Lenkungen in Braunschweig ausgliedern und an einen Zulieferer verkaufen, die Gießerei in Hannover solle verkleinert werden.

Teile der Belegschaft dort könnten laut „Automobilwoche“ in die Fertigung von Karossen für den Porsche Panamera wechseln, über die VW mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller und VW-Großaktionär spricht. Einen Teil der Getriebefertigung in Kassel wolle VW in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Osterloh verteidigte die Weigerung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, vorzeitig über eine Verlängerung des Vertrages für Pischetsrieder zu sprechen: „Wir wollten wissen, wohin der Zug fährt, ehe wir euch dem Zugführer anvertrauen“, schrieb der Betriebsratschef in seinem Mitarbeiterbrief.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtete, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking habe Ambitionen auf den Aufsichtsratsvorsitz bei VW, obwohl er mit dem zweiten Großaktionär, dem Land Niedersachsen, die Wahl eines neutralen Chefs des Aufsichtsgremiums vereinbart hatte. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech will 2007 ins zweite Glied rücken, als Nachfolgekandidat wurde bisher vor allem der Stahlunternehmer Jürgen Großmann (Georgsmarienhütte) genannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%