Hauptversammlung
Aktionäre wollen Chrysler loswerden

Der Wunsch der Daimler-Chrysler-Aktionäre ist klar: Sie wollen die US-Tochter so schnell wie möglich verkauft sehen. Unter Applaus forderten Klein- wie Großanleger am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin eine zügige Abspaltung. Doch Konzernchef Dieter Zetsche zögert. Die Strafe folgte auf dem Fuße.

HB BERLIN. DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt kritisierte das Management direkt für die Entwicklung bei Chrysler. Er könne nicht verstehen, dass der Vorstand noch im Sommer verkündet habe, dass die Entwicklung bei Chrysler mit den neuen Modellen in die richtige Richtung geht. „Wie konnte es passieren, dass man von der Entwicklung so überrascht wurde?“, fragte Gebhardt. „Die japanischen Wettbewerber scheinen den Markt besser einschätzen zu können.“

Dass sich die amerikanischen Konsumenten bei steigenden Spritpreisen von den schweren, spritschluckenden Fahrzeugen abwenden, sei nicht wirklich überraschend. Daher sei die operative Entwicklung „umso enttäuschender“. „Für uns ist der Eindruck entstanden, dass Chrysler dauerhaft den Anschluss zu verlieren droht“, sagte der Fondsmanager vor den rund 8 000 Aktionären. Die DWS begrüße es daher, dass alle möglichen Optionen für die Chrysler Gruppe geprüft werden. Wenn Chrysler „am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar“, sagte Gebhardt.

Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) schlug in die gleiche Kerbe. Er sagte, die Beteiligung hänge „seit Jahren als Mühlstein am Hals des Konzerns“. Was derzeit noch fehle sei „eine klare und schnelle Exekution“ der Trennung. Angesichts der Reaktion der Finanzmärkte sei ein Verbleib von Chrysler im Konzern „keine Option mehr“. Die Medienspekulationen um einen kurz bevorstehenden Verkauf von Chrysler hatten den Aktienkurs des Mutterkonzerns in jüngster Zeit in die Höhe getrieben. Durch Zetsches Zaudern drohe die feindliche Übernahme durch Finanzinvestoren und die Zerschlagung, warnte Schmitz.

Milliardenverlust

Die US-Tochter hatte 2006 zum dritten Mal seit der Fusion mit Daimler-Benz im Jahr 1998 einen Milliardenverlust gemacht. Vor allem die schwache Fahrzeugnachfrage auf dem nordamerikanischen Markt trug zu dem operativen Verlust von 1,1 Mrd. Euro bei. In den ersten drei Monaten dieses Jahr setzte sich der Absatzschwund fort, die Verkaufszahlen von Chrysler sanken bis Ende März um knapp 7 Prozent. Von der angestammten Marke Mercedes-Benz verkaufte DaimlerChrysler seit Jahresbeginn dagegen weltweit 3,1 Prozent mehr.

Lars Labryga, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf dem Management bei Chrysler komplettes Versagen vor. „Sie haben es nicht gelernt, sie können es nicht, daher ist es gut, dass dieser Teil jetzt abgegeben wird“, unterstrich Labryga seine Forderung nach einer Trennung von Chrysler.

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