Hauptversammlung
MAN schlägt Dividende von zwei Euro vor

Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN will seinen Aktionären eine Dividende von 2 Euro je Anteilsschein zahlen. Auf der Hauptversammlung wurde auch der Vertrag mit dem MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson verlängert.

HB MÜNCHEN/ HAMBURG. Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN will seinen Aktionären eine Dividende von 2,00 Euro je Anteilsschein zahlen. Auch soll der Hauptversammlung am 3. April vorgeschlagen werden, die MAN Aktiengesellschaft in einen Europäische Gesellschaft (SE) umzuwandeln, teilte der Münchener Dax-Konzern am Mittwoch mit.

Der Aufsichtsrat verlängerte zudem den Vertrag mit dem MAN-Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson bis Ende März 2013. Vorstandsmitglied Anton Weinmann, der die Nutzfahrzeugaktivitäten verantwortet, wurde bis Ende 2014 bestellt.

Die Nutzfahrzeugbranche nach mehreren Boomjahren schon gewappnet. Dass die Talfahrt allerdings so rasant ausfallen würde, hat kaum jemand geahnt. Die Lkw-Bauer können die Produktion gar nicht so schnell zurückschrauben, wie verunsicherte Spediteure derzeit ihre Bestellungen kassieren. Die Folge sind Verluste bei Herstellern und Stellenabbau in mehreren Ländern - in Deutschland kommen die Unternehmen noch mit Kurzarbeit aus.

Der zu Volkswagen gehörende schwedische Lkw-Bauer Scania bekam die Krise im Schlussquartal 2008 mit einem überraschend starken Gewinnrückgang zu spüren. Konkurrent Volvo, Nummer zwei der Branche hinter Daimler, schrieb sogar einen operativen Verlust, der doppelt so hoch ausfiel wie erwartet. Der schwedische Konzern hat bereits den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen angekündigt.

Der weltgrößte Hersteller Daimler kam im Lkw-Geschäft bislang noch mit einem blauen Auge davon, der Sparten-Gewinn fiel allerdings im vergangenen Jahr schon deutlich niedriger aus. Für 2009 malt der Stuttgarter Konzern nun ein düsteres Bild: „Vor allem in Westeuropa steht das Nutzfahrzeuggeschäft am Beginn einer spürbaren zyklischen Abschwungphase, von der die mittleren und schweren Lkw in besonderen Maße betroffen sein werden.“

Von dem Abschwung sind auch die früheren Wachstumsregionen Asien, Osteuropa und Lateinamerika in Mitleidenschaft gezogen, von denen sich die Lkw-Hersteller jüngst noch einen Ausgleich der Verkaufsrückgänge in ihren angestammten Märkten in Europa und den USA erhofft hatten. In Russland etwa kam der Markt im Dezember fast zum Erliegen, auch weil viele Abnehmer keine Finanzierung für den Lastwagen-Kauf auftreiben können.

Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer MAN musste in den vergangenen Monaten rund einem Viertel seiner Kunden unter die Arme greifen. Gut zwei Mrd. Euro hat der Konzern dafür aufgebracht - mehr soll es nicht werden. Analysten gehen davon aus, dass MAN am Donnerstag einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang für das vierte Quartal bekanntgeben wird.

Innerhalb weniger Wochen musste der Münchner Konzern die Zahl der Tage, an denen er die Lkw-Produktion ruhen lässt, kräftig aufstocken: auf 70 von zunächst 40 bis 50. Die Mitarbeiter in der Kernsparte Nutzfahrzeuge wurden erst vier statt zwei Wochen in Weihnachtsferien geschickt, jetzt für 42 Tage in Kurzarbeit. Der Rest der sogenannten Schließtage soll über die Arbeitszeitkonten ausgeglichen werden. Für das zweite Halbjahr 2009 ist weiter mit Kurzarbeit zu rechnen. Den Großteil der 2200 Zeitarbeiterjobs in der Nutzfahrzeugsparte hatte MAN schon zum Jahresende gestrichen. Einen Abbau der Kernbelegschaft hatte MAN-Chef Hakan Samuelsson im Dezember ausgeschlossen.

Betriebsbedingte Kündigungen erwarten Experten bei den Lkw-Bauern noch nicht. Die sind bei mehreren Konzernen zudem durch Standortsicherungsprogramme mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts ausgeschlossen. „Die Hersteller werden alles tun, um sich nicht in die Muskeln zu schneiden“, glaubt Gregor Matthies, Automobilexperte der Unternehmensberatung Bain & Company. Die Lkw-Bauer müssten in der Lage sein, die Produktion kurzfristig hochzufahren, wenn die Konjunktur wieder anspringe. Damit ist nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts Global Insight in diesem Jahr nicht zu rechnen. „Da wir nicht erwarten, dass sich im Laufe dieses Jahres überhaupt noch etwas bewegt, müssen die Hersteller gucken, dass sie irgendwie durch die Krise kommen“, sagt Analyst Christoph Stürmer.

Die Nutzfahrzeugindustrie gilt als Frühindikator für die Konjunktur. „Das heißt, wenn sich etwas bewegt, dann tut sich zuerst bei den Nutzfahrzeugen was“, erläutert Stürmer. Er rechnet frühestens im zweiten Quartal 2010 damit, dass die Banken wieder ausreichend Kredite bereitstellen und Spediteure Lastwagen ordern. „Der eigentliche Nachfragetrend ist durch die Krise nicht gebrochen“, ist Matthies aber überzeugt. „Es wird nicht weniger Verkehr geben, eine Verlagerung von Transporten auf die Schiene ist nicht absehbar, und die Produktionsverlagerung nach Osteuropa wird nicht rückgängig gemacht“, sagt er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%