Hausgerätewerk
AEG Nürnberg schmeißt kurz die Bänder an

Eineinhalb Monate hatten die 1 700 Mitarbeiter des Nürnberger AEG-Werks gestreikt, um die Schließung der Fabrik zu verhindern. Dieses Ziel haben sie zwar nicht erreicht, wohl aber hohe Abfindungen herausgeschlagen. Nun ist der Arbeitskampf vorbei – und bald auch die Arbeit.

HB MÜNCHEN. Nach Angaben der IG Metall stimmten in einer Urabstimmung 81,07 Prozent der Stimmberechtigten für ein Ende des Arbeitskampfs, nachdem sich der schwedische Mutterkonzern Electrolux und die Gewerkschaft auf einen Sozialplan verständigt hatten. „Ihr habt bewiesen, dass Ihr bereit seid, Euch zu wehren“, sagte der Bevollmächtigte der IG Metall in Nürnberg, Jürgen Wechsler, am Dienstagmorgen vor rund 300 AEG-Beschäftigten am Tor der Fabrik. Die Fertigung sollte noch mit der Frühschicht wieder aufgenommen werden.

Electrolux will die Fertigung in dem mehr als 80 Jahre alten Werk bis Ende 2007 schrittweise auslaufen lassen und die Produktion nach Osteuropa und Italien verlagern. Der nach langem Streik ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass die betroffenen Mitarbeiter eine Abfindung von 1,8 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr erhalten. Im Schnitt macht das 100 000 Euro Abfindung pro Mitarbeiter. Zudem soll eine Beschäftigungsgesellschaft für zwölf Monate eingerichtet werden. Ältere Arbeitnehmer über 55 Jahre können in den Vorruhestand wechseln und erhalten einen Zuschlag auf ihre Bezüge.

IG-Metall-Mann Wechsler sprach von einem guten Ergebnis. Zwar könne der Sozialtarifvertrag die Werkschließung nicht aufheben. Der Arbeitskampf habe aber gezeigt, dass die Arbeitnehmer nicht machtlos seien. „Der Streik hat seine Wirkung nicht verfehlt.“ Bei den Verhandlungen zwischen Unternehmen und IG Metall hatte am Ende der frühere bayerische Wirtschaftsminister und jetzige Deutsche-Bahn-Vorstand Otto Wiesheu vermittelt.

Electrolux hatte das Aus für das Werk mit dem Preiskampf auf dem Markt für Elektro-Hausgeräte insbesondere in Deutschland begründet. Die Schließung an sich kostet wegen des Kompromisses allerdings auch schon 244 Mill. Euro. In Nürnberg werden Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler verschiedener Marken des Konzerns gefertigt.

Betriebsratschef Harald Dix sagte: „Der Streik hat uns zusammengeschweißt.“ Es habe keinen einzigen Streikbrecher gegeben. Nach der Kundgebung rissen die AEG-ler eine Mauer nieder, die symbolisch vor dem Haupttor errichtet worden war, und betraten wieder das Werksgelände.

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