Heimatmarkt schwächelt
Deutsche Autobauer profitieren von Übersee

Die Krise zieht den Automarkt Europas stark in Mitleidenschaft. Anders in den USA und Asien – und das haben auch die deutschen Autobauer gemerkt. Seit Jahresbeginn legten die Auslandaufträge um sieben Prozent zu.
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BerlinDie starke Nachfrage aus Übersee bewahrt die deutschen Autobauer in diesem Jahr vor einem Rückschlag. Während die Geschäfte in Westeuropa unter der Schuldenkrise leiden und der gesättigte deutsche Markt ebenfalls schrumpft, läuft es besonders in den USA und in Asien rund. "Was wir in Südeuropa gegenwärtig verlieren, holen wir uns auf anderen Weltmärkten", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag in Berlin.

Die deutschen Autohersteller steigerten ihre Exporte im August um ein Prozent auf 284.400 Einheiten. Die Auslandsaufträge legten um fünf Prozent zu, seit Jahresbeginn um sieben Prozent. "Triebfeder war erneut das Engagement außerhalb Europas", sagte Wissmann. Marktanteile konnten etwa in den USA, Brasilien, Russland, China, Südkorea und Japan gewonnen werden. Dagegen sinke die Nachfrage aus südeuropäischen Ländern angesichts von Schuldenkrise und Rezession.

In Deutschland fielen die Neuzulassungen im August um rund fünf Prozent auf 226.600. In den ersten acht Monaten wurden 2,1 Millionen Pkw zugelassen - das ist ein Minus von einem Prozent. "Der Kampf auf diesem deutschen Markt ist härter geworden", sagte Wissmann. Hersteller aus Italien und Frankreich drängten verstärkt nach Deutschland, um das schwächelnde Heimatgeschäft auszugleichen. Für das Gesamtjahr rechnet der VDA weiter mit rund 3,1 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Der inländische Auftragsbestand liege mit 410.000 Fahrzeugen über dem langjährigen Durchschnitt.

Zwischen 5,5 und sechs Millionen Autos sollen in diesem Jahr in Deutschland vom Band laufen. "Die Produktionskapazitäten der gesamten deutschen Automobilindustrie sind mit 85 Prozent ordentlich ausgelastet", sagte Wissmann. Die Stammbelegschaften seien im ersten Halbjahr um 26.000 auf 736.000 Mitarbeiter aufgestockt worden. "Die globale Ausrichtung macht viele in der deutschen Automobilindustrie robuster als manchen Wettbewerber", sagte Wissmann. "Aber wir machen uns keine Illusionen: Vor allem die südeuropäischen Automobilmärkte bleiben mehr als schwierig; wir richten uns daher auf herausfordernde Zeiten ein."

Was für den Pkw-Markt gilt, trifft auch für den Nutzfahrzeugsektor zu. 2012 dürften die Neuzulassungen von schweren Lkw mit mehr als sechs Tonnen Gewicht in Westeuropa um vier Prozent auf rund 250.000 fallen. "Das kann durch den wachsenden US-Markt kompensiert werden", sagte Wissmann. Hier werde ein Plus von bis zu 20 Prozent auf mehr als 350.000 Einheiten erwartet. Von diesem Kuchen könnten sich die deutschen Hersteller etwa ein Drittel abschneiden. Der russische Markt - der fast doppelt so groß sei wie der deutsche - wachse ähnlich rasant.

Impulse verspricht sich die Branche von der 64. IAA Nutzfahrzeuge, die am 18. September in Hannover beginnt. Dort soll es 354 Weltpremieren geben - so viele wie noch nie. Die Liste der Neuheiten reicht von Fortschritten bei Erdgasantrieben über Hybrid-Fahrzeuge, bei denen ein herkömmliches Verbrennungsaggregat und ein Elektromotor zusammenarbeiten, bis hin zu Wasserstoff getriebenen Fahrzeugen. Mehr als 1900 Hersteller haben sich angemeldet, allein 857 davon aus Deutschland. Zweitgrößter Aussteller ist China mit 152 Firmen. Die IAA Nutzfahrzeuge findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Auto-IAA in Frankfurt statt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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