Heimliche Gespräche über Unternehmensverkauf
Dow Chemical feuert zwei Manager fristlos

Der Boom im Private-Equity-Geschäft ist offenbar so verlockend, dass einige US-Manager auf eigene Faust versuchen, ihr Unternehmen an die private Firmenjäger zu verkaufen. Dies führte beim größten US-Chemiekonzern Dow Chemical nun zur fristlosen Kündigung zweier Führungskräfte.

tor NEW YORK. Der größte US-Chemiekonzern Dow Chemical hat zwei Führungskräfte fristlos entlassen, weil sie ohne Wissen des Verwaltungsrates (Board) Möglichkeiten ausgelotet haben sollen, die Firma zu veräußern. J. Pedro Reinhard und Romeo Kreinberg hätten ohne die Zustimmung des Board gehandelt, teilte der Konzern mit. Das sei in „höchstem Maße unangebracht und ein klarer Verstoß gegen die Verhaltensregeln“. Reinhard war lange Finanzchef des Unternehmens und gehört dem obersten Führungsgremium an. Kreinberg arbeitete direkt mit Dow-Chef Andrew Liveris zusammen.

Dass Firmenmanager heimliche Gespräche mit Private-Equity-Gesellschaften führen, ist nicht ungewöhnlich, setzen die privaten Investoren doch meist darauf, zusammen mit dem Management das Unternehmen aufzukaufen. Häufig werden die Führungskräfte über Anteile direkt am Erfolg des Buyouts beteiligt. Attraktiv ist ein Verkauf an private Investoren für die Manager aber auch deshalb, weil sie dann relativ unbehelligt von Kleinaktionären und öffentlichen Aufsichtsbehörden wirken können.

Im Fall von Dow Chemical fanden die Verkaufsgespräche jedoch offenbar statt, ohne dass das Spitzenmanagement einbezogen wurde. Bereits Anfang März hatte die Londoner Zeitung „Sunday Express“ gemeldet, Dow Chemical sei das Ziel eines Buyouts. Als Interessenten wurden amerikanische Private-Equity-Gesellschaften wie Kohlberg Kravis Roberts (KKR) genannt, die einen Kauf mit Hilfe von Investoren aus dem Nahen Osten finanzieren wollten. Der Wert der Transaktion wurde auf bis zu 54 Mrd. Dollar beziffert. Das wäre ein neuer Rekord für die Buyout-Branche. Ende Februar hatte es Spekulationen gegeben, dass Dow mit dem indischen Unternehmen Reliance Industries fusionieren könnte. Auch über eine Aufspaltung ist spekuliert worden.

Vergangene Woche machten die Verkaufsgerüchte erneut die Runde und trieben den Aktienkurs von Dow Chemical um fast fünf Prozent nach oben. Gegen ein starkes Interesse von Private-Equity-Firmen spricht allerdings, dass der Chemiekonzern in einer sehr zyklischen Branche tätig ist, die eine hauptsächlich mit Schulden finanzierte Übernahme erschwert. Beteiligungsgesellschaften sind aber auf einen hohen und stetigen Cash-Flow ihrer Firmen angewiesen, damit diese die Schuldenlast tragen können.

Nach Angaben von Dow Chemical wurden die unerlaubten Verkaufsgespräche der Manager erstmals am vergangenen Dienstag aufgedeckt. Die Unternehmensleitung habe daraufhin umgehend reagiert. „Ich und alle Mitarbeiter sind sehr enttäuscht von dem respektlosen Handeln unserer früheren Kollegen“, sagte Dow-Chemical-Chef Liveris. Er versprach, dass der Konzern seine Anstrengungen verstärken werde, den Unternehmenswert für die Aktionäre zu erhöhen. Liveris bekräftigte außerdem, dass Dow keine Verkaufsgespräche geführt habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%