Heiße Phase
Fiat stärkt sich für Chrysler-Fusion

Wenn der Sommer vorbei ist, will Sergio Marchionne den Chrysler-Kauf abgeschlossen haben. Für die vollständige Übernahme besorgt sich der Fiat-Chef gerade frisches Geld und verhandelt wohl über 10 Milliarden Dollar.
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MailandDer italienische Autokonzern Fiat SpA verhandelt mit einer Gruppe von Banken über eine Finanzierung im Volumen von bis zu 10 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro), um die noch nicht in seinem Besitz befindlichen Anteile an Chrysler Group LLC zu kaufen und die Schulden der beiden Unternehmen zu refinanzieren. Das erfuhr Bloomberg News in der Nacht zum Donnerstag aus informierten Kreisen.

Den Angaben zufolge gehören zu der Gruppe Bank of America Corp., Deutsche Bank AG, Goldman Sachs Group Inc. und BNP Paribas SA. Sie sollen Fiat das Geld leihen, um den 41,5-Prozent-Anteil an Chrysler, der vom Rentner-Gesundheitsfonds der US-Gewerkschaft United Auto Workers gehalten wird, zu übernehmen, hieß es aus den Kreisen.

Sergio Marchionne, Vorstandschef von Fiat und Chrysler in Personalunion, will den Kreisen zufolge den Kauf bis zum Ende des Sommers abschließen. Zuvor müsse jedoch noch eine Einigung zum Wert des Anteils erzielt werden. Fiat habe von einigen Banken bereits eine mündliche Zusage erhalten, eine endgültige Vereinbarung gebe es aber nicht.

Italienische Zeitungen berichteten am Dienstag, die Verhandlungen befänden sich inzwischen in der entscheidenden Phase. "Corriere della Sera" zufolge wird Fiat dem Gewerkschaftsfonds Veba wohl nicht weniger als drei Milliarden Dollar für den noch ausstehenden Anteil zahlen.

Zuletzt hatten Fiat schlechte Absatzzahlen im rezessionsgeplagten Europa zur Senkung seiner Jahressziele gezwungen. Auch hohe Kosten für die Einführung neuer Modelle bei Chrysler haben dem italienischen Autobauer den Jahresauftakt verhagelt. Das Konzernergebnis vor Steuern fiel im ersten Quartal um 60 Prozent auf 160 Millionen Euro, teilte Fiat Ende April mit.

Auch anhaltende Verluste in Europa belasteten Fiat - allein von Januar bis März beliefen sie sich operativ auf 111 Millionen Euro. Anders als in den Quartalen zuvor gibt es nun aber auch geringere Gewinne bei Chrysler. Wegen der Absatzkrise in Europa war zuletzt die Abhängigkeit des Fiat-Konzerns vom Wachstum der US-Tochter stärker geworden. Trotz des schwachen ersten Quartals halten Fiat und seine US-Tochter an ihren Zielen für 2013 fest.

Bei Chrysler drückten hohe Aufwendungen für die Produktion neuer Fahrzeuge auf den Quartalsgewinn. Dieser fiel gegenüber dem Vorjahr um 65 Prozent auf 166 Millionen Dollar. Dennoch zeigte sich Konzernchef Sergio Marchionne zuversichtlich, dass der drittgrößte US-Autobauer 2013 einen Nettogewinn von 2,2 (2012: 1,7) Milliarden Dollar einfahren wird. Chrysler bleibe trotz der starken Anlaufkosten auf Kurs. "Wir wussten, dass wir im Quartal lahmen werden. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass wir so stark erlahmen werden", sagte Marchionne.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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