Hiesinger bei den Autobauern
Thyssen will Hybrid-Werkstoffe serienreif machen

Heinrich Hiesinger weiß, wie wichtig die Autoindustrie für eine bessere Zukunft seines Unternehmens ist. Der Thyssen-Krupp-Chef setzt auf leichtere Materialien – und Investitionen in neue Werke.
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BochumHeinrich Hiesinger hat heute keine Lust über Edelstahl oder defizitäre Stahlwerke in den USA zu sprechen. Beim CAR Symposium der Universität Duisburg-Essen erklärt der Thyssen-Krupp-Chef stattdessen, welche Industrie eigentlich die wichtigste für seinen Konzern sei: Die Autoindustrie ist mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent bereits heute der wichtigste Kunde. „Das ist keine Randgruppe mehr“, sagte Hiesinger am Dienstag in Bochum.

Dabei gehe es längst um mehr als Stahl. Man sei längst ein „diversifizierter Industriekonzern“. Der Umsatz mit Stahl mache noch rund 30 Prozent aus, die Erlöse mit Industriegütern und Dienstleistungen dagegen 70 Prozent.

Mit so genannten Hybrid-Werkstoffen, also Komponenten aus Stahl und CFK, erhofft sich der Thyssen-Krupp in den nächsten Jahren gute Geschäfte mit der Automobilindustrie. Der Werkstoff sei eine echte Alternative zu Aluminium, betonte Hiesinger. Er sei 50 Prozent leichter als gewöhnlicher Stahl und nur rund halb so teuer wie Aluminium. Bisher findet der Werkstoff aber vor allem Anwendung in Prototypen. Für die Serie wird er noch nicht eingesetzt. Je nach Fahrzeugklasse könnten so fünf bis 30 Prozent Gewicht eingespart werden, so Hiesinger. Schon heute biete sein Konzern 200 verschiedene Stahlvarianten an.

Besonders in der Premiumklasse ist kaum ein Fahrzeug ohne Technologie von Thyssen-Krupp unterwegs. Neun von zehn Fahrzeugen setzen auf eine Komponente des Stahlherstellers, bei Nockenwellen ist der Konzern sogar Weltmarktführer. Allein in der S-Klasse von Daimler stammen Dämpfer, Lenker und Kurbelwelle von Thyssen-Krupp.

Um auch bei alternativen Antrieben nicht abgehängt zu werden, arbeitet das Unternehmen auch an eigenen Montageanlagen für Elektromotoren und Anlagen für die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen. Ein eigenes Entwicklungszentrum soll den Produktionsprozess der Batterien effektiver machen. Schon heute fließt der größte Teil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Konzerns in die Automobilsparte.

Rückenwind erhofft sich Hiesinger von den Herausforderungen der Autobranche in den kommenden Jahren. Bis 2030 soll die Zahl der Autos weltweit auf 1,5 Milliarden steigen. 350 Millionen Euro will Thyssen-Krupp darum weltweit in neue Werke investieren, davon allein 250 Millionen in China. Im kommenden Jahr soll dort neben den bestehenden sieben Werken ein neues für Zylinderkopfdichtungen eröffnet werden.

Auch die Produktpalette soll in den nächsten Jahren wachsen. Im Programm „Incar Plus“ hat der Konzern 40 neue Produkte entwickelt, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt gebracht werden sollen.

Kommentare zu " Hiesinger bei den Autobauern: Thyssen will Hybrid-Werkstoffe serienreif machen"

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  • Herr Hiesinger möchte in Autos Investieren und in China Wachsen. Warum wird dann ein Unternehmen verkauft der seit 1986 mit verschiedensten Stahlwerkstoffen experimentiert und sehr erfolgreich war. nach dem die Strategie aufgegeben war weiterhin in neue Verbundwerkstoffe zu investieren, konnte das Unternehmen nur noch die Laufende Aufträge mit den Automobilisten abwickeln und keine neuen Technologien mehr entwickeln. Es lag auf der Hand, dieses Unternehmen Tailored Blanks GmbH schnellst möglich zu veräußern. Jetzt meldet derselbe Verantwortliche man an der Spitze des Konzerns, dass Er riesen Wachstumspotenziale sieht bei den Automobilisten. Wenn das der Deal war um in den Chinesischen Markt zu kommen, dann war es der schlechteste Deal denn nicht mal Amateure machen würden. Die Technologie aus der Hand geben und dann meinen, das man immer noch die Nase vorn hat. Hier hat H. Hiesinger mit Zitronen gehandelt.
    Deniz Erdogan Wisco Tailored Blanks GmbH Betriebsratsvorsitzender.

  • Probleme auf ThyssenKrupp einzugehen.
    Herr Hiesinger möchte in Autos Investieren und in China Wachsen. Warum wird dann ein Unternehmen verkauft der seit 1986 mit verschiedensten Stahlwerkstoffen experimentiert und sehr erfolgreich war. nach dem die Strategie aufgegeben war weiterhin in neue Verbundwerkstoffe zu investieren, konnte das Unternehmen nur noch die Laufende Aufträge mit den Automobilisten abwickeln und keine neuen Technologien mehr entwickeln. Es lag auf der Hand, dieses Unternehmen Tailored Blanks GmbH schnellst möglich zu veräußern. Jetzt meldet derselbe Verantwortliche man an der Spitze des Konzerns, dass Er riesen Wachstumspotenziale sieht bei den Automobilisten. Wenn das der Deal war um in den Chinesischen Markt zu kommen, dann war es der schlechteste Deal denn nicht mal Amateure machen würden. Die Technologie aus der Hand geben und dann meinen, das man immer noch die Nase vorn hat. Hier hat H. Hiesinger mit Zitronen gehandelt.
    Deniz Erdogan Wisco Tailored Blanks GmbH Betriebsratsvorsitzender.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    sehr interessanter Artikel mit ThyssenKrupp und den Hybrid Werkstoffen. Das Foto das mit diesem Artikel veröffentlich worden ist gehört passt nicht genau. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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