Hohe Stromkosten
Größte deutsche Alu-Hütte vor dem Aus

Der Neusser Werk von Norsk Hydro droht die Schließung. Nach dem Einbruch der Aluminiumpreise schreibt Deutschlands größte Alu-Hütte rote Zahlen. Gleichzeitig leidet das Unternehmen unter hohen Stromkosten. Im Gespräch mit dem Handelsblatt fordert der Neusser Werksleiter Bernhard Eich einen eigenen Stromtarif für Industriebetriebe. Hilfe erhofft er sich von RWE.

DÜSSELDORF. Deutschlands größter Aluminiumhütte droht die Schließung. In den kommenden zwei Wochen wolle die Führung des norwegischen Mutterkonzerns Norsk Hydro entscheiden, ob die Produktion am Standort Neuss weiter gesenkt oder komplett geschlossen werden solle, sagte Berhard Eich, Leiter des in Neuss angesiedelten Werks von Hydro, dem Handelsblatt.

Nach dem Einbruch der Alumiuniumpreise schreibt die Hütte mit ihren 600 Beschäftigten wegen der hohen Stromkosten rote Zahlen. Norsk Hydro hat bereits den Ausstoß um dreizehn Prozent auf 200 000 Tonnen pro Jahr gesenkt. Angesicht der hohen Stromkosten gibt es im Konzern Zweifel, ob die Neusser Hütte auch bei einem Anstieg der Aluminiumpreise wieder ans Netz genommen wird. Eich fordert daher einen Stromtarif speziell für Industriebetriebe, wie es ihn bereits in Frankreich gebe. "Seit 2002 hat sich der Strompreis verdreifacht. Das sind für uns Mehrbelastungen von 170 Millionen Euro jährlich."

Da eine politische Hilfe mehr Zeit als die von der Hydro-Führung gesetzte Frist von zwei Wochen benötige, hofft Eich auf ein Entgegenkommen der Stromkonzerne. Erster Ansprechpartner ist der Dax-Konzern RWE, der Gespräche mit Hydro Deutschland bestätigte, aber keine Angaben zu Details machte.

Im Jahr 2005 war ein langfristiger Stromvertrag mit RWE ausgelaufen, seitdem sperrt sich der Versorger laut Eich gegen einen neuen Vertrag. Unterstützung erhält Hydro von der Gewerkschaft IG Metall, die einen Weggang weiterer Industriebetriebe befürchtet. "Ich sehe langfristig nicht, dass wir bei den hohen Strompreisen eine Aluminiumproduktion in Europa haben werden", sagt Hannelore Elze, die im IG-Metall-Vorstand für das Werk in Neuss zuständig ist. Bedroht wären in Europa dann 220 000 Jobs.

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