IG Metall befürchtet massiven Stellenabbau am Niederrhein
Einigung um Siemens-Stellenverlagerung steht bevor

In greifbare Nähe scheint eine Einigung bei den Verhandlungen über die Sicherung der rund 2000 von einer Verlagerung bedrohten Stellen an den Siemens-Standorten Bocholt und Kamp-Lintfort gerückt zu sein.

HB MÜNCHEN. „Es gibt Anzeichen, dass wir hier in Kürze zu einem positiven Ergebnis kommen und dass wir auf dieser Basis die Arbeitsplätze im Kamp-Lintfort und Bocholt retten können“, sagte ein Siemens-Konzernsprecher am Mittwoch in München. „Wir rechnen damit, dass wir in dieser Woche noch ein Ergebnis erzielen werden“, sagte auch ein Sprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. „Bei uns ist der Eindruck, dass das Unternehmen eine Lösung sucht, um die Arbeitsplätze zu retten.“ Details wurden von beiden Seiten nicht genannt.

Die Verhandlungen, die bereits seit Wochen laufen, waren am Vortag ohne eine Einigung abgebrochen worden und sollten am Mittwoch fortgesetzt werden.

Mitte März war bekannt geworden, dass Siemens Kostensenkungen an den beiden Standorten der Mobiltelefonsparte ICM fordert und andernfalls mit der Verlagerung von etwa 2000 Stellen nach Ungarn droht. Dem Konzern zufolge liegen dort die Arbeitskosten um 30 Prozent niedriger. Siemens hatte als Möglichkeiten für eine Einigung in der Vergangenheit etwa die Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich sowie Einschnitte bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld genannt. Eine entsprechende Vereinbarung wurde bereits in der Vergangenheit für rund 200 Mitarbeiter des Bereichs Service und Reparatur in Bocholt geschlossen. Insgesamt arbeiten an den nordrhein-westfälischen Standorten Bocholt und Kamp-Lintfort rund 4 500 Beschäftigte.

IG Metall befürchtet massive Stellenverlagerung

Die IG Metall hat den Kampf um die Arbeitsplätze bei Siemens zum Exempel erklärt. Denn nach Unternehmensangaben sind insgesamt rund 5 000 Arbeitsplätze deutschlandweit bedroht, wobei das Management für rund die Hälfte wegen struktureller Probleme auch bei Zugeständnissen der Belegschaft nur begrenzte Rettungschancen sieht. Die IG Metall spricht hingegen konzernweit von mehr als 10 000 gefährdeten Stellen, langfristig sogar von rechnerisch 74 000. Eine Zahl, die Siemens als „Milchmädchenrechnung“ zurückgewiesen hat.

Anfang April waren für die akut betroffenen Standorte Arbeitsgruppen aus Arbeitnehmervertretern und Managern gebildet worden, die Lösungen erarbeiten sollten. Gefährdet sind etwa auch Stellen der Netzwerksparte ICN in Bruchsal oder bei der Trafo-Fertigung in Nürnberg.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der selbst vom „Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland“ gesprochen hatte, war von den Gewerkschaften massiv kritisiert worden. Am Beispiel des Münchener Technologiekonzerns war eine bundesweite Debatte über den Trend zur Verlagerung von Stellen ins Ausland entbrannt. Bei einem bundesweiten Aktionstag hatten nach IG Metall-Angaben vergangenen Freitag rund 25 000 Siemens-Mitarbeiter gegen den möglichen Wegfall von Arbeitsplätzen im Inland demonstriert.

Der Kurs der Siemens-Aktie lag am späten Vormittag mit 56,50 Euro um 1,8 Prozent im Plus und gewann damit etwa doppelt so stark wie der Gesamtmarkt.

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