Imageschaden könnte Projekte gefährden
Russlands Energiesektor bangt um Investoren

Für die russische Energiebranche kommt der Yukos-Skandal im ungünstigsten Moment: Öl-, Gas- und Stromkonzerne buhlen derzeit bei ausländischen Konzernen um milliardenschwere Investitionen. „Das Investitionsklima kann nachhaltig geschädigt werden“, warnt Anatoli Tschubais, Chef des Strommonopolisten Vereinte Energiesysteme (UES).

juf/and DÜSSELDORF/LONDON. Die erste Reaktion liegt schon vor: Die US-Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron haben ihre Gespräche über einen Einstieg bei Yukos offenbar ausgesetzt.

Vor allem die russische Ölbranche sucht derzeit händeringend nach ausländischen Investoren. Russland, das bereits bei der Förderung weltweit mit an der Spitze steht, will zusätzliches Öl exportieren. Dafür müssen neue Pipelines gebaut werden. Unter anderem soll eine Leitung zum eisfreien Nordmeerhafen Murmansk gelegt werden, um von dort die USA zu beliefern.

Und die westlichen Ölriesen sind durchaus bereit, sich im großen Stil in Russland zu engagieren. Der Shell-Konzern will bis 2008 in Russland und Zentralasien acht Mrd. Dollar ausgeben. Der britische Konkurrent BP hat erst jüngst für mehr als sieben Mrd. Dollar ein Joint Venture mit der russischen Ölfirma TNK gegründet. TNK-BP will in Russland rund eine Mrd. Dollar jährlich investieren. Daran werde auch der Yukos-Skandal nichts ändern. „Unser jüngstes Milliardeninvestment in Russland ist schließlich eine langfristige Sache“, sagte ein BP-Sprecher gestern in London. Ein Konzern wie BP sei rund um den Globus aktiv, hieß es weiter, „also auch in anderen Ländern, wo Unternehmer hinter Gittern sitzen“.

Ähnlich gelassen reagierte auch die Wintershall AG. „Wir haben keinerlei Probleme – weder bei der Zusammenarbeit mit unserem Partner Gazprom noch mit der Zusammenarbeit mit russischen Behörden oder der Politik“, sagte ein Sprecher der BASF-Tochter, die in verschiedenen Gas- und Ölprojekten engagiert ist: „Wir rechnen auch nicht mit Schwierigkeiten.“

Wintershall hatte jüngst mit Gazprom, dem weltgrößten Gaskonzern, ein Joint Venture gegründet. Gazprom ist derzeit auf der Suche nach weiteren Geldgebern. Zahlreiche Gasvorkommen werden mittelfristig erschöpft sein. Für die Produktion in weiteren Regionen braucht der Konzern aber finanzstarke Partner aus dem Westen. Das gilt auch für den geplanten Bau einer Pipeline durch die Ostsee. Geschätzte Kosten: sieben Mrd. Dollar.

Auch Russlands Quasi-Monopolist auf dem Stromsektor, UES, will milliardenschwere Investitionen aus dem Ausland anlocken. Die Branche benötigt nach den Worten von UES-Chef Tschubais innerhalb der nächsten zehn Jahre Investitionen in Höhe von rund 50 Mrd. Dollar, 30 Mrd. Dollar davon für die Stromerzeugung, 20 Mrd. Dollar für das Netz. Russland alleine könne das nicht stemmen.

Sowohl für Gazprom, als auch für UES ist der Düsseldorfer Eon-Konzern erster Ansprechpartner für Kooperationen. Konzernchef Wulf Bernotat erteilte dem Drängen der Partner aber jüngst nach den deutsch- russischen Wirtschaftskonsultationen in Jekatarinburg einen herben Dämpfer: Der Energiekonzern, dessen Tochter Ruhrgas an Gazprom sogar mit 6,5 Prozent beteiligt ist, will erst 2004 entscheiden, ob er sich an Großprojekten beteiligt. Entscheidend sei, wie sich die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen entwickelten, sagte Bernotat und drohte: „Mittelfristig muss sich Eon ohnehin entscheiden, ob wir überhaupt in Russland oder nicht vielmehr in den USA wachsen wollen.“

Quelle: Handelsblatt

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