Immer mehr Fälschungen
Das Internet ist das Revier der Markenpiraten

Der europäische Zoll findet bei seinen Kontrollen an den Grenzen und im Binnenland immer häufiger gefälschte Markenware. Im Geschäft ist die Gefahr allerdings gering, auf Kopien zu stoßen, andernorts dafür umso größer.

HB BERLIN. Seit 1998 erhöhte sich die Zahl der beschlagnahmten Produkte um 1000 Prozent, wie der Markenverband am Mittwoch in Berlin mitteilte. Der jährliche Schaden werde von der EU-Kommission auf weltweit bis zu 300 Mrd. Euro beziffert. Allein im vergangenen Jahr zogen die europäischen Behörden 103 Mill. Nachahmerartikel aus dem Verkehr, 12 Prozent mehr als 2003.

Markenverbandschef Franz-Peter Falke zeigte sich besorgt über teils kräftige Zuwächse gefälschter Waren in einigen Bereichen, insbesondere bei Computerausrüstungen, Elektrogeräten, Lebensmitteln und Bekleidung. „Marken- und Produktpiraterie ist eine gefährliche und wachsende Form der Kriminalität“, warnte er.

Nach Beobachtung des Markenverbands werden die kopierten Produkte vor allem über das Internet verkauft. Im regulären Handel landeten auch Nachahmerartikel auf Grabbeltischen. Beim Einkauf im Geschäft könnten sich die Verbraucher aber recht sicher sein, dass keine Fälschungen im Regal lägen. „Das Risiko kann im seriösen Fachhandel so gut wie ausgeschlossen werden“, sagte Falke.

Die nachgemachten Waren kommen den Angaben zufolge vor allem aus China und anderen asiatischen Ländern. So böten chinesische Produzenten im Internet recht unverhohlen Fälscherdienste als Lohnfertiger an. Arbeitsplatzverluste bei Markenherstellern – besonders in Europa – seien die Folge, erläuterte Falke.

Die Hersteller von Markenwaren fordern eine härtere Gangart gegen Produktpiraten. „Keiner wandert hinter Gitter“, kritisierte der Geschäftsführer des Verbands, Christopher Scholz. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will nach eigenen Angaben prüfen, ob der bisherige Strafrahmen ausreichend ist. „Dort, wo Strafbarkeitslücken bestehen, schließen wir sie“, kündigte die Ministerin an.

Der in dieser Woche vorgestellte Gesetzentwurf zu einem besseren Schutz der Markenproduzenten findet den Beifall der Industrie. Das Vorhaben sei ermutigend. „Wir erweitern die Möglichkeiten, Markenpiraten auf die Schliche zu kommen“, betonte Zypries. Künftig sollen unter anderem die Auskunftsrechte von Rechteinhabern gestärkt werden. Dann müssen beispielsweise Spediteure oder Internet-Provider Informationen über Händler und Kunden geben, wenn illegale Waren im Spiel sind.

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