Inside: Heidelberg-Cement
Das große Fressen

Bereits vor zwei Jahren prophezeihte der Vorstandschef von Heildelberg-Cement, Bernd Scheifele, das große Fressen in der Zementindustrie. Mit Hochdruck brachte er zunächst die Kostenstruktur in Ordnung, schloss zu den Wettbewerbern und übernahm zu guter letzt den britischen Konkurrenten Hanson. Wie wichtig der wohl mutigste Schritt in der Firmengeschichte war, zeigt sich jetzt.

STUTTGART. Der mexikanische Konzern Cemex hatte mit dem Kauf von Rinker Lafarge die Weltmarktführung abgejagt. Am Montag schlugen die Franzosen mit dem ebenfalls milliardenschweren Kauf der ägyptischen Orascom zurück. Mit 15 Mrd. Euro Umsatz rangiert Heidelberg-Cement auf Rang drei der Weltrangliste. Ohne Hanson wäre Heidelberg weit abgeschlagen in einer Branche, in der vor allem die Präsenz in den Märkten zählt.

Zementwerke dürfen nicht weiter weg als 200 Kilometer von der Baustelle sein, sonst sind die Transportkosten zu hoch. Vorausgesetzt, die Werke arbeiten effizient, spielt in der Branche deshalb Größe und Verfügbarkeit die entscheidende Rolle. Das zum Imperium der Industriellenfamilie Merckle gehörende Heidelberger Unternehmen mischt kräftig mit. Aber die Hanson-Übernahme hat die finanziellen Kräfte bereits arg in Anspruch genommen.

Auch die Integration der Neuerwerbung muss erst noch vollständig gelingen, um den Beweis der Richtigkeit der aggressiven Expansion zu liefern. Bis das geklärt ist bleibt offen, ob der Konzern und das Management stark genug sind, auch künftig in diesem Fusionspoker weiter mitzumischen. Es wird mit immer höheren Einsätzen gespielt. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen Anfang November deutete Scheifele bereits an, dass er eine Kapitalerhöhung über rund eine halbe Milliarde Euro in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres erwägt. Auch die Konkurrenz spürt die Folgen der Kreditkrise. Lafarge musste den Deal zum Teil in Aktien bezahlen. In der nächsten Runde des großen Fressens, müssten wohl auch die Heidelberger diese Art der Finanzierung in Betracht ziehen. Bislang wäre das aber nicht der Stil des Mehrheitseigentümers Adolf Merckle, dem Kontrolle über alles geht. Aber mit der Übernahme von Hanson ließ er seine Manager bereits in eine neue Dimension vorstoßen. Gut möglich, dass in dieser Liga die Tabus von früher selbst von Adolf Merckle nicht mehr so kategorisch gesehen werden.

Insgesamt ist man in der Heidelberger Zentrale aber gelassen. Ziel ist es, den Kauf von Hanson bis 2010 zu refinanzieren. Das aktuelle Geschäft läuft trotz der Immobilienkrise in den USA rund. Im dritten Quartal hat Heidelcement das Ergebnis vor Steuern von 468 auf 690 Mill. Euro gesteigert und unter dem Strich 500 Mill. Euro verdient.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%