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Hochtief: Robustes Geschäft

Der Ort für die Vorstellung der Quartalsbilanz konnte kaum besser gewählt sein. In einem Konferenzraum hoch über Ground Zero, wo heute nichts mehr an den Terroranschlag vom 11.September 2001 erinnert und eine riesige Baulücke klafft, spricht Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter über hohe Auftragseingänge. Sozusagen die größte Katastrophe als Chance: An der Schließung von New Yorks größter Brache, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Centers in den Himmel ragten, ist Deutschlands größter Baukonzern beteiligt.

Deutschland? Dort liegt eigentlich nur der Firmensitz. Hochtief ist längst ein Global Player. Ein Vorteil in Krisenzeiten. Risiken lassen sich besser verteilen. Gerade noch zehn Prozent des Auftragseingangs von 19 Mrd. Euro stammt noch aus Deutschland. Da hebt Hochtief sogar die Prognose an: Erwartet wird nun ein Auftragseingang nicht mehr auf, sondern über dem "hohen Vorjahreswert".

Von Auswirkungen der Finanzkrise dann auch keine Spur: Selbst "auf der Ebene des operativen Geschäfts", wie Lütkestratkötter sagt. Finanzierungen stehen, Projektstornierungen gibt es keine und auch der Auftragseingang ist nach wie vor robust, sagt Hochtief.

Die Krise zeigt sich nur virtuell. Denn natürlich ist Hochtief nicht blauäugig. Der Konzern spielt die Krise theoretisch durch - in "unterschiedlichen Szenarien und ihren Auswirkungen". Deutsche Bauingenieure bei der Arbeit eben, auch in der Buchhaltung. Vorsorglich habe der Konzern daher seine Liquidität erhöht und prüfe wegen der Krise jedes Engagement sehr sorgfältig und kritisch, so Lütkestratkötter. Das hat man eigentlich schon zuvor immer getan.

Tatsächlich dürfte Hochtief wie auch alle großen Konkurrenten von Bilfinger Berger über Skanska bis hin zu Vinci sogar von der Finanzkrise profitieren. Denn viele Staaten legen nun Konjunkturprogramme auf und erhöhen ihre Investitionen in den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, seien es Straßen, Tunnel, Brücken oder Gebäudekomplexe.

Kein Wunder also, dass sich Lütkestratkötter einen Antrieb für das US-Geschäft von der Wahl des demokratischen Kandidaten Barack Obama zum neuen Präsidenten verspricht. Mit Wohlwollen habe Hochtief die Wahl aufgenommen, sagte er und meinte das wohl nicht politisch. Hochtief interessiert Obamas Versprechen, ein Konjunkturprogramm in Höhe von 60 Mrd. Dollar aufzulegen. Hier winken Großaufträge. In den USA ist Hochtief gleich mit zwei Gesellschaften vor Ort, Turner und Flatiron. Sie steuern knapp ein Drittel jeweils zu Konzernleistung und Auftragseingang bei.

Der dickste Beitrag kommt nach wie vor aus dem asiatisch-pazifischen Raum, insbesondere aus Dubai und Australien, wo ein Infrastruktur-Großauftrag den nächsten jagt. Leighton heißt die erfolgreichste Hochtief-Tochter. Sie steuert rund die Hälfte zum Auftragseingang und knapp 50 Prozent zur Bauleistung bei - und: fast 90 Prozent zum Ergebnis vor Steuern.

Also wehe wenn Australien hustet. Dann hat Hochtief Schnupfen.

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