Inside: KBR
Eleganter Absprung

Halliburton, der einst von US-Vizepräsident Dick Cheney geführte amerikanische Öl- und Gasindustrie-Zulieferer, hat nach langer Vorbereitung knapp ein Fünftel der Anteile seiner skandalumwitterten Tochter KBR an die Börse gebracht. Trotz einiger Unkenrufe war die Emission ein Erfolg. Der Einführungspreis lag mit 17 Dollar pro Aktie am oberen Ende der Skala, der Kurs stieg sofort um ein Viertel. Dennoch denkt Halliburton, die KBRs restliche Aktien eigentlich an ihre Aktionäre verteilen wollte, inzwischen an Verkauf. Die Geschichte dahinter ist vertrackt.

PORTLAND. KBR, vormals Kellogg, Brown & Root, erzielt den größten Teil von rund zehn Milliarden Dollar Umsatz mit Dienstleistungen fürs Militär. Der Konzern baut Stützpunkte für US-Truppen im Irak, liefert ihnen Nahrung, Wäsche und Treibstoff. Und er ist in England Mehrheitseigner einer Werft, die die britische Atom-U-Boot-Flotte wartet und mit Brennelementen versorgt. Im zivilen Chemie- und Energiebereich baut er Ölbohrplattformen und Anlagen zur Erdgas-Verflüssigung.

Knapp die Hälfte von 124 Millionen Dollar Rohgewinn in den ersten neun Monaten 2006 kam von der britischen Werft, der Rest aus dem Militärgeschäft. Doch beide Säulen drohen zu wackeln. Aus Sorge um die Finanzkraft der allein gelassenen KBR bat das britische Verteidigungsministerium um Aufschub der Emission. Halliburton gewährte nur einen Tag. Die Briten prüfen nun, ob sie KBR die 51 Prozent an Europas größter Werft, dem Devonport Royal Dockyard, abkaufen und sie auf die Minderheitspartner Balfour Beatty und Weir Group übertragen sollten. KBR würde den Auftrag von rund einer Milliarde Dollar dann wohl verlieren.

Auch im Militärbereich knirscht es. Die Truppenversorgung im Irak brachte 2006 bisher mehr als die Hälfte des Umsatzes und genug Gewinn, um die Verluste im Zivilgeschäft auszugleichen. Aber sie ist auch KBRs Achillesferse: Die Milliarden-Aufträge wurden ohne die übliche Ausschreibung erteilt, angeblich wegen Cheneys Nähe zu Halliburton.

Gegen KBR laufen Ermittlungen in den USA unter anderem wegen des Verdachts der Bestechung, Kartellverstößen und Betrugs. KBR soll überhöhte Preise im Irak und von 1996 bis 2000 auch auf dem Balkan berechnet haben. Und die US-Armee ist so unzufrieden mit der Versorgung ihrer Soldaten, dass sie den Auftrag neu ausschreiben will.

Kellogg gehörte vormals zu Dresser Industries, die Halliburton unter Cheney 1998 für 7,7 Milliarden Dollar übernahm. Mit Dresser kamen Haftungsansprüche aus dem Asbestgeschäft in Milliardenhöhe und Vorwürfe gegen Kellogg wegen Korruption in Nigeria und Bruch des Iran-Embargos. Außerdem, so heißt es im Emissionsprospekt, könnte sich Kellogg seit Mitte der 80er Jahre bei Ausschreibungen für Auslands-Bauvorhaben mit anderen Bietern abgesprochen haben. Für etwaige kartellrechtliche Ansprüche ist KBR nun alleine haftbar.

Mit der Trennung von der Tochter ist Halliburton ein Geniestreich gelungen. Die Emission spült 441 Millionen Dollar in die Kasse, beseitigt potenzielle Ansprüche gegen den Konzern und bewertet ein schwarzes Schaf mit über drei Milliarden Dollar. Und das zur rechten Zeit: Die Demokraten, die im Januar die Macht im Kongress übernehmen, wollen die Verwendung von Steuergeldern im Irak strenger prüfen als Cheneys Parteifreunde.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%