Inside: Pfleiderer
Spannungsreiches Verhältnis

Der Wandel vom Familienunternehmen zur offenen Kapitalgesellschaft fällt bisweilen schwer. Seit 114 Jahren ist der Holzwerkstoffspezialist Pfleiderer im Geschäft, seit elf Jahren an der Börse. Nominell hatte die Familie damals zwar die Macht abgegeben, faktisch aber führten Aufsichtratschef Ernst-Herbert Pfleiderer und Vorstandschef Hans Overdiek die Geschicke des Unternehmens in den vergangenen Jahren weitgehend allein. Bis jetzt.

MÜNCHEN. Denn zu Beginn dieses Jahres hat sich mit One Equity Partners (OEP) ein potenter Finanzinvestor in die Oberpfälzer Provinz eingekauft. Pfleiderer selbst hatte nach einem neuen, stabilen Großaktionär gesucht. Doch es war ein schmerzhafter Schnitt: Kurz vor Abschluss der Verhandlungen Mitte Januar feuerte Pfleiderer seinen Finanzvorstand, weil dieser angeblich vertrauliche Firmendaten weitergegeben haben soll. Firmenchef Overdiek malte das Szenario einer feindlichen Übernahme an die Wand und drohte mit einer harten Abwehrschlacht.

Jetzt ist OEP mit einem Anteil von 20 Prozent doppelt so stark wie die Familie - und der neue Großaktionär pocht auf Einfluss. Auf der Hauptversammlung Mitte Juni werden zwei OEP-Vertreter in den Aufsichtsrat einziehen. Ein spannungsreiches Verhältnis bahnt sich an. Denn der unter Overdiek begonnene Umbau des Konzerns sowie die Expansion in den USA und Osteuropa sind ebenso mutig wie riskant.

Bereits Anfang Mai musste der Holzverarbeiter eingestehen, die Ziele für das erste Quartal verfehlt zu haben. Zwar hält das MDax-Unternehmen an seiner Prognose fest und will in diesem Jahr Umsatz und Ergebnis noch einmal kräftig steigern, doch die Börse glaubt die Geschichte nicht so recht. Mit aktuell 13 Euro ist die Aktie nur noch halb so viel wert wie vor einem Jahr, ein Schnäppchen für OEP, der seinen Anteil an Pfleiderer ausbauen will.

Der einstige Hersteller von Bahnschwellen und Windrädern hat sich voll auf die Produktion von Spanplatten und Faserplatten sowie Laminatböden konzentriert. Konzernchef Overdiek, der sein Handwerk in der Stahlbranche gelernt hat, setzt auf Kostenführerschaft und internationale Ausrichtung. Nach der Übernahme der US-Werke der badischen Kunz-Gruppe kaufte Pfleiderer im vergangenen Jahr Pergo, einen Hersteller von Laminatfußböden. Ausgerechnet als die Immobilienkrise begann, wuchs der US-Anteil auf ein Viertel des Umsatzes.

Auch in Polen, dem zweiten Wachstumsfeld von Pfleiderer, laufen die Geschäfte nicht nach Plan. Pfleiderer hat an der Grenze zu Russland ein neues Werk eröffnet, doch der Markt entwickelte sich schlechter als erwartet. Immerhin zieht mit Pawel Wyrzykowski jetzt der erste Pole in den Vorstand ein, Overdiek gibt ein Stück Macht ab.

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