Inside: SMS Group
Boom zur rechten Zeit

Der Stahlboom lässt auch die Kassen der Anlagenbauer klingeln. Vor allem in China, Russland und Indien entstehen neue Stahl- und Walzwerke. Der Düsseldorfer Anlagenbauer SMS Group hat daher zur Zeit ein Luxusproblem.

DÜSSELDORF. „Unsere größte Sorge ist es, die vielen Aufträge termingerecht abzuwickeln“, sagte der Firmenchef und Mitinhaber des reinen Familienunternehmens, Heinrich Weiss, vor kurzem bei der Vorlage der sehr guten Zahlen für das vergangene Jahr. Der Auftragseingang stieg um über zehn Prozent, der Gewinn verdoppelte sich fast. Für 2007 erwartet Weiss noch bessere Zahlen.

Neue Kapazitäten will der Unternehmer aber nicht aufbauen. Ohnehin ist SMS wie viele Großanlagenbauer mehr ein Ingenieur-Unternehmen, das Werke plant und in Betrieb nimmt, aber nur wenige Kernkomponenten der Stahl- und Walzwerke in Eigenregie baut. Lediglich im Stammwerk Hilchenbach im Siegerland und in Mönchengladbach fertigt SMS noch selber.

Fast die Hälfte der Fertigung vergibt SMS inzwischen an andere Firmen, außerdem beschäftigt das Unternehmen zehn Prozent Leiharbeitnehmer. Ein Ausbau der eigenen Kapazitäten, um die derzeit hohe Nachfrage abzudecken, könnte sich im nächsten Abschwung bitter rächen. Denn der kommt bestimmt, die jetzige Boomphase dauert in der sonst sehr zyklischen Branche schon ungewöhnlich lange.

Das Geld, das der Stahlboom in die Kassen spült, braucht das Unternehmen zur Zeit an anderen Stellen. SMS kauft die Anteile zurück, die Dax-Konzerne MAN und Siemens noch am Unternehmen halten, wodurch der Anlagenbauer nach 35 Jahren wieder voll in den Besitz der Familie von Heinrich Weiss gelangt. Das allein dürfte einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Daneben muss das Unternehmen den Ausstieg aus der Sparte Kunststoffmaschinen finanzieren. Vor 30 Jahren war SMS in diesen Maschinenbau eingestiegen, um das Unternehmen unabhängiger von der Stahlindustrie zu machen. Doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, jahrelang schrieb die Sparte rote Zahlen. Jetzt hat Weiss die Reißleine gezogen. Der Bereich mit 2 000 Beschäftigten und knapp 400 Millionen Euro Umsatz ist bis auf eine US-Gesellschaft bereits komplett verkauft. Doch die Sanierung der Gesellschaften für den Verkauf hat Geld gekostet, das an anderer Stelle eher gebraucht wird.

Denn SMS muss viel Geld in die Entwicklung von Automatisierung und elektrischer Steuerung seiner Anlagen stecken. Bisher hat das Unternehmen diese Technologie vorwiegend von Siemens eingekauft. Doch seit die Münchener vor zwei Jahren den österreichischen Konkurrenten VA Tech übernommen haben, ist Siemens vom Lieferanten zum Konkurrenten geworden. SMS muss diese Kompetenz jetzt selbst aufbauen, denn die Kunden verlangen immer mehr die Lieferung der Anlagen aus einer Hand.

Zusätzlich stehen Investitionen in den Ausbau des Vertriebs an. Die aufstrebenden Länder Asiens, Osteuropas und vor allem Russland bestellen mehr und mehr Stahl- und Walzwerke, da muss SMS mit Ingenieurbüros vor Ort sein.

Ohne den derzeitigen Boom hätte SMS Schwierigkeiten gehabt, diesen finanziellen Kraftakt zu meistern. Für die erste Etappe des Rückkaufs der Anteile hat die Eigentümerfamilie schon tief in die eigenen Taschen greifen müssen. Wegen der unerwartet guten Ertrags- und Liquiditätslage brauchte sich das Unternehmen für den Rückkauf der restlichen Anteile nicht zu verschulden oder gar einen Partner aufnehmen, wie Weiss es bereits angedeutet hatte. Nachdem diese Belastungen weitgehend abgeschlossen sind, kann SMS wieder expansiver auftreten. Kleinere Zukäufe hat der Firmenchef bereits angedeutet.

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