Inside: Toyota
Nicht völlig immun

Geldverdienen in den USA ist früher so wunderbar einfach gewesen für Toyota: Der Konzern musste nur eine neue Autofabrik eröffnen, fast schon blind nahmen anschließend die amerikanischen Autokäufer die begehrten Modelle ab.

Für die Japaner zahlte sich diese Strategie gleich doppelt aus. Die guten Verkaufszahlen in den USA sorgten dafür, dass im steten Fluss hohe Milliardenbeträge auf den Konten der Konzernzentrale landeten. Gleichzeitig sorgte dieses Geld dafür, dass die Japaner Schritt für Schritt ihre ökonomische Macht ausbauen konnten. Nun stehen sie kurz davor, zum größten Automobilhersteller der Welt aufzusteigen. Bestens gestützt von einem billigen Yen, der die Dollar-Erträge aus den USA auf den japanischen Yen-Konten noch stärker anschwellen lässt.

Doch ganz so einfach ist die Sache heute nicht mehr. Der Verkauf von Toyota-Modellen stockt in den USA. In den ersten drei Monaten dieses Jahres musste der japanische Autokonzern ein Minus von gut drei Prozent hinnehmen - eine völlig neue Erfahrung für ein Unternehmen, das auf dem größten Automarkt der Welt bislang nur Zuwächse gekannt hat. Der Rückgang mag zwar immer noch deutlich kleiner ausgefallen sein als bei General Motors und Ford. Doch die Absatzzahlen zeigen auch, dass Toyota nicht völlig immun ist gegen die US-Konjunkturkrise. Die Amerikaner sparen beim Autokauf, das bekommt auch Toyota zu spüren.

Außerdem ist der Yen nicht mehr das Schmiermittel, das er früher einmal war. Die japanische Währung hat zwar gegenüber dem Dollar längst nicht so stark aufgewertet wie der Euro, doch die jüngsten Wechselkursveränderungen sind auch für Toyota schmerzlich. Zumal ungefähr die Hälfte aller Toyota-Modelle, die heutzutage in den USA verkauft werden, immer noch aus einer Fabrik in Japan kommen. Allen voran die Autos der in den USA bislang ziemlich beliebten Luxus-Tochter Lexus. Ebenfalls aus Japan kommen die meisten Fahrzeuge mit Hybridantrieb (kombinierte Benzin- und Elektromotoren), die Toyota einen beträchtlichen Image-Gewinn in den USA beschert haben.

An den Börsen ist die jüngste Entwicklung bei Toyota bereits mit aller Deutlichkeit wahrgenommen worden. Gestern schloss die Aktie in Tokio mit einem kräftigen Minus. Bei 4 820 Yen (etwa 30 Euro) ist der Titel nicht mehr weit von einem neuen Zweieinhalb-Jahrestief entfernt. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis bewegt sich Richtung zehn - eine vergleichsweise niedrige Bewertung für den immer noch wertvollsten Autokonzern der Welt.

Toyota bleibt die Hoffnung, dass die USA nicht in eine allzu tiefe Rezession hineinrutschen. Die Strategen in der Konzernzentrale setzen das voraus - sie erwarten, dass sich das US-Geschäft im zweiten Halbjahr wieder beleben wird.

Das ist allerdings eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Nach den jüngsten Quartalsberichten wichtiger US-Konzerne sieht es eher danach aus, dass die Geschäfte der Realwirtschaft noch eine ganze Zeit deutlich schlechter laufen werden.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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