Insolvenz angemeldet
IG Farben ist pleite

Der Restkonzern des einst größten Chemiekonzerns der Welt ist pleite. Die seit über 50 Jahren in der Abwicklung befindliche IG Farben hat am Montag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

HB FRANKFURT. „Die liquiden Mittel reichen voraussichtlich nicht aus, um die demnächst fällig werdenden Verbindlichkeiten der Gesellschaft zu erfüllen“, hieß es in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens. Es sei „mit erheblichen Zahlungsausfällen im Zusammenhang mit Verpflichtungen Dritter zu rechnen“.

Der Liquidator der IG Farbenindustrie AG in Abwicklung (i.A.), Rechtsanwalt Volker Pollehn, hatte den Antrag zuvor bereits angekündigt. Er begründete dies mit Zahlungsschwierigkeiten des hoch verschuldeten Immobilien- und Beteiligungskonzerns WCM, der die Immobilien der Rechtsnachfolgerin der IG Farben erwerben sollte. WCM bestritt, dass dazu ein rechtsgültiger Vertrag bestehe. Es sei lediglich eine Absichtserklärung abgegeben worden.

Der Chemiekonzern IG Farben war eng mit dem Nazi-Regime verflochten und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten zerschlagen. Die verbliebenen Reste sollen seit mehr als 50 Jahren abgewickelt werden. WCM-Vorstandschef Roland Flach habe vor wenigen Tagen in Gegenwart von Banken-Vertretern erklärt, er stehe zu dem Vertrag, sagte Pollehn. Mehrere Vereinbarungen zwischen WCM, einst selbst eine Tochter des Konzerns, und der IG Farbenindustrie i.A. beruhen auf komplizierten Finanztransaktionen.

Der Kurs der im MDax notierten Aktie der WCM brach am Montagvormittag um 10,22 % auf einen Tiefststand von 1,23 € ein. Eine Sprecherin des Unternehmens wies Befürchtungen über eine bevorstehende Insolvenz zurück: „Wir kommen allen unseren Verpflichtungen nach.“ Der Vorstand habe bei dem Treffen lediglich mitgeteilt, dass WCM grundsätzlich zum Kauf der Immobilien bereit sei, aber nicht zu den von der IG Farben verlangten Bedingungen, sagte die Sprecherin.

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