Insulinanaloga
Das Geschäft mit Diabetes ist hart umkämpft

Jeder zehnte Deutsche leidet an Diabetes. Für die Pharmaindustrie sind Insulinpräperaten daher ein Milliardengeschäft. Mit langwirkenden Insulinanaloga versuchen Hersteller wie Sanofi-Aventis den Markt zu erobern. Doch nun soll das vermeintlich moderne Insulin nicht mehr von den Kassen übernommen werden. Die Branche tobt.

FRANKFURT. Mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes - die Krankheit gehört mit rund 25 Mrd. Euro Kosten pro Jahr zu den teuersten chronischen Erkrankungen überhaupt. Denn sie zieht viele Folgeerkrankungen nach sich: von Durchblutungsstörungen über Nierenversagen und Schlaganfall bis zur Erblindung. Die hohen Behandlungskosten haben nun die Politik auf den Plan gerufen: Sie stellt in Frage, ob Diabetes-Patienten auch künftig moderne Insulinpräparaten auf Kassenrezept bekommen sollen.

Die neuen Diabetes-Mittel sollen bei Patienten zu einer möglichst guten Blutzuckereinstellung führen und damit teure Folgeerkrankungen vermeiden. Doch die Kosten sind weiterhin hoch: Die Diabetes-Therapie kostet die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland jährlich mehr als eine Mrd. Euro.

Konkret geht es um die lang wirkenden Insulinanaloga. Das sind gentechnisch hergestellte Insuline für Patienten, die ernährungs- und altersbedingt an Diabetes erkrankt sind. Diese so genannten Typ-2-Diabetiker stellen den weit überwiegenden Teil der Erkrankten.

Die modernen Insuline hat jüngst der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) in Visier genommen - das Gremium legt fest, welche Leistungen von der Gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden. Sein Beschluss: Lang wirksame Insulinanaloga sind nicht mehr verordnungsfähig, wenn die Behandlung mehr kostet als mit herkömmlichem Humaninsulin. Eine Entscheidung, die derzeit in der Fachwelt heiß diskutiert wird und zu der Pharmaindustrie, Ärzteverbände und die Apothekerschaft noch bis kommende Woche Dienstag Stellung nehmen können.

Rund 1,7 Mio. Patienten in Deutschland erhalten Insulin zur Behandlung ihrer Krankheit, 49 Prozent davon die seit wenigen Jahren gentechnisch hergestellten Insulinanaloga, 51 Prozent das herkömmliche Humaninsulin. Weil die modernen Insuline zwischen 35 und 60 Prozent teurer als das Humaninsulin, könnte viel Geld gespart werden, wenn es bei der Verordnung von Humaninsulin bliebe, rechnet Diabetes-Experte Klaus Mengel im aktuellen Arzneiverordnungsreport: Die Gesamtkosten von zuletzt rund 1,1 Mrd. Euro könnten um 177 Mio. Euro gesenkt werden. Allerdings gibt es auch Hochrechnungen aus Fachkreisen, die besagen, dass die Behandlung mit moderne Insulinen häufig nicht teurer ist, wenn man auch die Spritzen und die vielen Teststreifen für das häufiger anzuwendende Humaninsulin einbezieht.

Den Herstellern der langwirkenden Insulinanaloga, Sanofi-Aventis mit seinem Produkt Lantus und die dänische Novo Nordisk mit Levemir passt die Entscheidung des GBA überhaupt nicht: Ihnen werden dadurch viele Mio. Euro Umsatz entgehen, zudem sehen sie den Nutzen ihrer Produktneuentwicklung nicht ausreichend gewürdigt.

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