Interesse an Unternehmens-Teilen
Linde hat ein Auge auf Messer geworfen

Der Mischkonzern Linde ist offenbar an Teilen des Krefelder Gaseherstellers Messer Griesheim interessiert. "Aus kartellrechtlicher Sicht wäre eine Akquisition mit einem Umsatz in mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Höhe machbar", sagte Linde-Vorstand Aldo Belloni einem Zeitungsbericht zufolge. Attraktiv erscheint Linde demnach vor allem das Nordamerika-Geschäft von Messer Griesheim mit 337 Mill. € Umsatz.

HB FRANKFURT. „Aus Sicht der dortigen Wettbewerbsaufsicht sind wir in Nordamerika ein erwünschter Player“. Dies hätten die Behörden Linde bereits vor vier Jahren signalisiert. „Es ist wegen der kartellrechtlichen Probleme nicht wahrscheinlich, dass der Kuchen Messer ungeteilt übernommen werden kann. Dann ist es doch legitim, dass wir dabei sein wollen“, sagte Belloni.

Nach Einschätzung von Experten hat Linde Chancen, bei dem Unternehmen mit Stammsitz in Krefeld zum Zuge zu kommen. „Erfolgschancen sind durchaus gegeben“, hieß es in einem Kurzkommentar des Bankhauses Helaba Trust. Vor allem die Finanzinvestoren würden mittelfristig an einen Ausstieg bei Messer denken. Die Linde-Aktie lag in einem freundlichen Gesamtmarkt bis zum Mittag nahezu unverändert bei rund 36,80 €.

Neben Linde hat auch der französische Gase-Konkurrent Air Liquide Interesse an Messer Griesheim. „Partielle Akquisitionen könnten uns interessieren,“ hatte Air-Liquide-Chef Benoit Potier vor kurzem in einem Interview gesagt. Die Franzosen sind weltweit Nummer Eins im Industriegasegeschäft, Linde belegt den vierten Platz. Messer ist der siebtgrößte Produzent.

Ab 2004 steht Messer zum Verkauf. An dem Unternehmen halten die Beteiligungsgesellschaft der Allianz-Gruppe, Allianz Capital Partners, und von Goldman Sachs beratenen Fonds jeweils rund 33 %. Die Messer-Familie besitzt etwa 32 %. Von Oktober 2004 an wird die Familie Messer nicht mehr weit reichende Stimmrechte besitzen, hat aber ein Vorkaufsrecht für die frei werdenden Anteile. Messer wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren. „Wir kommentieren solche Aussagen von Dritten nicht“, sagte eine Sprecherin. Bei Goldman Sachs hieß es dazu ebenfalls: „Kein Kommentar“.

Die genannten Finanzinvestoren, die Messer derzeit auf Vordermann bringen, um 2004 oder 2005 mit Gewinn - per Börsengang oder direktem Verkauf - wieder auszusteigen, hatten ihre Anteile 2001 von Aventis erworben. Der Pharmahersteller ist aus dem zerschlagenen Frankfurter Hoechst-Konzern hervorgegangen, zu dem Messer früher gehörte.

In seiner Kernsparte will Linde nach den Worten Bellonis das Wachstum bei Medizingasen beschleunigen. Der Konzern peile bis 2006 hier eine knappe Umsatzmilliarde an, sagte Belloni. Gegenwärtig erzielt Linde mit Medizingasen 571 Mill. € Umsatz. Die Sparte Gas & Engineering steuert mit 4,84 Mrd. € insgesamt fast die Hälfte zu den Gesamterlösen des Konzerns bei. Für das laufende Geschäftsjahr 2003 bekräftigte Belloni, die Sparte werde ihren Vorjahresgewinn nicht ganz erreichen. Im vergangenen Jahr hatte sie 659 Mill. € vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebita) erzielt. Operativ liege die Sparte derzeit zwar klar über dem Vorjahresniveau, sagte Belloni. Der schwache US-Dollar belaste das Ergebnis in der Konzernbilanz umrechnungsbedingt jedoch in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe.

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